Große Nachfrage nach Benimm-Seminaren
Eine Generation lernt Benehmen

Die 68er haben gegen die Etikette ihrer Eltern gekämpft, jetzt ist gutes Benehmen wieder in.

HB FRANKFURT. Sich mit Handschlag begrüßen, jemandem in den Mantel helfen und die Tür aufhalten – besonders jüngere Generationen hielten solche Umgangsformen lange Zeit für uncool. Gar nicht mehr vorstellbar die Zeiten, in denen Knicks und Handkuss noch salonfähig waren. Und auch wenn niemand deren Rückkehr fordert, steht eines fest: Gutes Benehmen ist wieder in. Darauf deuten einige aktuelle Entwicklungen hin.

Unzählige Bücher zum Thema „gutes Benehmen“ haben den deutschen Markt bereits erobert, und selbst der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat das Thema aufgegriffen. Anfang des Jahres hat Thomas Gottschalk in der „Großen Benimm-Show“ die Deutschen auf ihre guten Manieren getestet. Dafür ließ er Prominente, Publikumsgruppen, Adlige und die Fernsehzuschauer gegeneinander antreten. Sie mussten zahlreiche Fragen beantworten und zeigen, ob sie die richtigen Umgangsformen drauf hatten.

Und noch ein Trend hat Deutschland erreicht: Die Nachfrage nach Benimm-Seminaren steigt stetig. Richtiges Verhalten im Geschäftsleben, Tischmanieren oder Kleidungsstil – die Angebote sind vielfältig. Selbst vor Kindern macht diese Welle nicht halt, auch für die Kleinsten gibt es Kurse, die sie zu Vorzeigeexemplaren machen sollen.

Knigge in der Schule

„Es ist ganz offensichtlich ein Punkt erreicht, an dem sich immer mehr Menschen über unerzogene Kinder ärgern, ob in der Schule oder im Restaurant“, sagt Cornelia Nitsch, Autorin des Buches „Kids mit Stil – der Knigge für Kinder und Jugendliche“. Dazu kommt: Die wachsende soziale Orientierungslosigkeit verlangt nach verlässlichen Werten und Umgangsformen.

Ginge es nach der Mehrheit der Deutschen, würden Knigges Regeln sogar in der Schule Einzug erhalten. Rund 75 Prozent der Bundesbürger sind dafür, Benehmen als spezielles Unterrichtsfach einzuführen. Henriette Trebeljahr, seit 30 Jahren Grundschullehrerin, sieht dabei allerdings ein Problem: „Viele Kinder sind gar nicht mehr bereit, sich etwas von den Lehrern sagen zu lassen. Diese Voraussetzungen müssen die Eltern erst einmal schaffen.“

Auch Cornelia Nitsch kritisiert das Verhalten mancher Eltern, wenn auch aus einem anderen Grund. Sie glaubt, dass es vielen Befürwortern der neuen Benimm-Offensive nicht immer um die Rückkehr zu einem respektvollen Umgang miteinander geht. „Es gibt Eltern, für die ist gutes Benehmen instrumentell. Ihre Kinder sollen durch Benimm-Seminare möglichst früh auf Karriere getrimmt werden.“

Wer sich allerdings in endlosen Diskussionen mit seinen Kindern verliert, erreicht auch wenig. Denn: „Wer seine

Kinder zuschwallt, erreicht nur, dass sie abschalten“, weiß Cornelia Nitsch. Wie so häufig liegt die Lösung in der Mitte. Der praktische Tipp der Erziehungsexpertin: „Schon im Kindergartenalter muss die Wahrnehmungsfähigkeit geschärft werden. Kinder müssen kapieren, dass es nicht toll ist, seinen Mitmenschen die Tür vor der Nase zuzuknallen, sondern, dass es Spaß machen kann, sie aufzuhalten.“

Quelle: News Frankfurt

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