Großmann-Nachfolge
RWE-Kronprinz soll aus den eigenen Reihen kommen

Der RWE-Aufsichtsrat plant offenbar, einen Vize-Chef zu küren, der möglicherweise ab Herbst 2012 Großmann beerben könnte. Bedingung: Der Nachfolger soll ein Eigengewächs des Konzerns sein.
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BerlinDer Energiekonzern RWE will einem Zeitungsbericht zufolge aus den eigenen Reihen einen Nachfolger von Vorstandschef Jürgen Großmann aufbauen. Wie die „Rheinische Post“ vorab unter Berufung auf Eigentümerkreise berichtete, will der Aufsichtsrat kommende Woche einen Vize-Chef küren. Dieser solle sich ein Jahr lang beweisen und möglicherweise Großmann im Herbst 2012 beerben. Der Kronprinz solle zwingend aus dem Konzern selbst kommen.

Als Favorit der Kommunen gelte Vorstandsmitglied Rolf Martin Schmitz, der für das Tagesgeschäft verantwortlich ist. Aufsichtsratschef Manfred Schneider habe sich aber auch in der zweiten Reihe der RWE-Führung umgesehen. Dem Bericht zufolge soll der Personalausschuss des Aufsichtsrats voraussichtlich am Sonntag zu einer vorbereitenden Sitzung zusammentreffen. Als Kandidat gilt seit längerem auch der Vorstand Leonhard Birnbaum.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete dagegen, der Chef der niederländischen RWE-Tochter Essent, Peter Terium, habe die besten Chancen. „Terium ist der Favorit von RWE-Aufsichtsratschef Manfred Schneider“, sagte eine mit der Situation vertraute Person. Schneider wolle Terium dem Personalausschuss des Aufsichtsrats vorschlagen.

Es wäre nicht das erste Mal, dass der Konzern bei der Besetzung seiner Spitze für eine Überraschung sorgen würde. Vor vier Jahren hatte auch niemand Großmann auf dem Zettel, dessen Vorgänger Harry Roels kam ebenfalls wie Kai aus der Kiste. Großmann wechselte von seinem niedersächsischen Stahlwerk Georgsmarienhütte in den RWE-Turm nach Essen. Der Niederländer Roels war zuvor für den Ölmulti Royal Dutch
Shell tätig.

Großmanns Vertrag läuft Ende September 2012 aus. Kaum vorstellbar ist, dass sich der RWE-Chef für den Rest seiner Amtszeit neben einem prominenten Nachfolger mit der zweiten Geige begnügt. Schon Roels musste eher gehen, als Großmann kam. Da Großmann wohl kaum als „lahme Ente“ auftreten will, könnte er an seiner Seite einen Manager aus der zweiten Reihe des Konzerns aufbauen. Ein bereits im operativen Geschäft agierender Manager aus dem eigenen Haus ließe sich sicher auch gegenüber den Mitarbeitern gut verkaufen, nachdem Großmann, Roels und auch Finanzchef Rolf Pohlig allesamt von außen gekommen waren. Zudem könnte damit ein Generationswechsel eingeleitet werden. Ein Neuanfang scheint auch deshalb nötig, weil der 59-Jährige wegen seines Eintretens für die Kernenergie von Kritikern als „Atom-Rambo“ bezeichnet wurde und vom Naturschutzbund den zweifelhaften Titel „Dinosaurier des Jahres 2010“ erhielt.

Als externer Kandidat wird über Lanxess-Chef Axel Heitmann spekuliert. Der Chemiekonzern wollte sich dazu nicht äußern. Heitmann sei an einer Fortsetzung seiner Tätigkeit beim Chemiekonzern interessiert, hatte allerdings Aufsichtsratschef Rolf Stomberg auf der Hauptversammlung im Mai gesagt. Intern schien alles lange Zeit auf den 54-jährigen Vorstand Schmitz hinauszulaufen. Der ehemalige Chef der E.ON Kraftwerkstochter und des Kölner Versorgers RheinEnergie genießt sowohl bei den Kommunen als auch bei den Gewerkschaften IG BCE und Verdi hohes Ansehen. „Das wäre jemand, den wir für geeignet halten“, sagte eine Person aus dem Kreis der kommunalen Anteilseigner, die bei RWE rund 25 Prozent halten. Die Kommunen würden sich aber auch nicht gegen einen anderen Kandidaten sperren. „Der neue Chef muss das Format haben, den Konzern national und international zu vertreten.“

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