Gucci-Chef Domenico De Sole und Chefdesigner Tom Ford streiten um ihre Vertragsverlängerung
Machtkampf um Gucci

Wenn Domenico De Sole Ende dieser Woche mit seinem Firmenjet in Paris landet, will er die wohl zähesten Verhandlungen seines Lebens abschließen. Seit Monaten ringen der Vorstandschef von Gucci und sein Chefdesigner Tom Ford mit dem französischen Handelsimperium Pinault Printemps Redoute (PPR), das die Mehrheit an Gucci hält, um eine Verlängerung ihrer Verträge. De Soles Kontrakt läuft im März nächsten Jahres aus, Fords im Juni.

MAILAND. Geld, so sagen Insider der Luxusbranche, spiele zwar eine Rolle, nicht aber die vorrangige. Schließlich verdienen die beiden „Gucci-Boys“ schon heute nicht nur satte Gehälter in Höhe von insgesamt rund 7,8 Millionen Euro (2002), sondern sitzen auch noch auf Paketen von Aktienoptionen, die Millionenbeträge wert sind.

Den beiden Top-Managern geht es um mehr. Das Verkaufstalent De Sole und der texanische Workaholic Ford streben die vollständige Unabhängigkeit bei der Führung des Konzerns und bei der Gestaltung der Kollektionen an.

Das aber dürfte der französischen Kaufhausdynastie zu weit gehen. Deren Patron François Pinault, dessen Familienstiftung Artemis PPR kontrolliert, hat sicherlich nicht über fünf Milliarden Euro für die Kontrolle über eines der weltweit heißesten Modehäuser springen lassen, um am Ende nur als passiver Finanzinvestor dazustehen.

Doch genau da liegt das Problem der italienisch-französisch-texanischen Freundschaft. De Sole hatte Pinault 1999 zu Hilfe gerufen, um sich gegen eine aus dem Börsen-Untergrund lancierte Übernahmeattacke von Bernard Arnault und seinem Luxuskonzern LVMH zu wappnen. Der Milliardär, den eine hasserfüllte Rivalität mit dem finanziell kaum schlechter gestellten Pinault verbindet, hatte seit Ende 1998 klammheimlich gut ein Drittel der Gucci-Aktien an der Börse eingesammelt. Im März 1999 kündigte er dann an, er wolle Gucci für bis zu 90 Euro je Aktie voll übernehmen.

Für De Sole kam das wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Denn bereits 1994 hatten die damaligen Eigentümer Gucci dem als verschlagen geltenden französischen Luxusunternehmer angeboten. Aber Arnault lehnte bei einem Kaufpreis von 400 Millionen Euro dankend ab. Aber fünf Jahre später war Arnault bereit, bis zu acht Milliarden Euro für die 1925 von dem Florentiner Guccio Gucci gegründete Nobelfirma zu zahlen.

Denn inzwischen hatte der nicht nur wegen seines beeindruckenden Aussehens umschwärmte Designer Tom Ford, den die Branche nur „Mr. Cool“ nennt, aus den trägen Initialen „GG“ eine der wertvollsten Marken der Welt gemacht. Und Domenico De Sole hatte den Pleitekandidaten Gucci nach Misswirtschaft und mörderischen Intrigen innerhalb der Gründerfamilien in ein Topunternehmen verwandelt. Heute ist Gucci mit einem Umsatz von rund drei Milliarden Euro der drittgrößte Luxuskonzern der Welt. Die Investmentbank Morgan Stanley schreibt, dass der echte Wert des Konzerns kaum zu berechnen sei, wenn das aktuelle Management ausscheiden sollte. Für die Verlegerin der Modezeitschrift „Vogue“, Anna Wintour, stellt dieses Szenario „eine Katastrophe“ dar.

Die Früchte seines Aufstiegs will sich De Sole also bei seinen Vertragsverhandlungen mit PPR genauso wenig nehmen lassen wie vor vier Jahren von Angreifer Arnault. Und die Branche weiß, dass der Italiener mit Amerika-Spleen, der gerne englische und italienische Worte wild mixt, alles tun wird, um seine Geldgeber auf Distanz zu halten. Vor vier Jahren reagierte er auf Arnaults Attacke, indem er den Aufsichtsrat darüber beraten ließ. Als sich die Türen des Sitzungssaals wieder öffneten, hatte Gucci sein Kapital unter Bezugsrechtsausschluss um über 40 Prozent erhöht und sämtliche jungen Aktien an PPR vergeben. Arnault guckte dumm aus seinem Dior-Anzug: Sein Gucci-Anteil war auf unter ein Fünftel gesunken.

Es folgte ein Krieg auf dem Laufsteg und Schaulaufen vor den Handelsgerichten von Amsterdam, wo Gucci sich wegen der laxeren Börsenregeln hatte listen lassen. Arnault überzog Gucci und PPR mit einem Prozess nach dem anderen. Erst im Mai dieses Jahres kam es zur Einigung. PPR übernahm eine Tranche des Arnault-Pakets an Gucci, erwarb so die Mehrheit. Der Rest der Aktien soll folgen. Sehr zum Missvergnügen von De Sole und Ford. Denn dann hält PPR nach Schätzung von Analysten zwei Drittel bis drei Viertel an Gucci, und mit De Soles Autonomie wäre es wohl vorbei.

Der muss bei den Vertragsverhandlungen jetzt mit Patricia Barbizet klarkommen, die Pinault in der PPR kontrollierenden Familienstiftung vertritt. Sie gilt als knallharte Managerin und wird versuchen, auch die Interessen der nächsten Pinault-Generation durchsetzen, die seit kurzem die Stiftung übernommen hat. Ob die sich den beiden Gucci-Stars noch verpflichtet fühlt? De Sole und Ford hoffen es.

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