Günstige Gründung - teurer Unterhalt
Britische Billig-GmbH birgt Risiken

Die Rechtsform der "Limited" boomt in Deutschland. Doch Experten warnen: Englisches Recht enthält gefährliche Fallstricke.

KÖLN. Die britische Rechtsform "Private Limited Company" (kurz Limited oder Ltd.) ist in Deutschland ein Exportschlager. Seit der Europäische Gerichtshof in mehreren Grundsatzurteilen grünes Licht für die Gründung ausländischer Kapitalgesellschaften mit Sitz in der Bundesrepublik gab, schießen die englischen GmbH-Varianten hier zu Lande wie Pilze aus dem Boden. Nach einer bisher unveröffentlichten Studie vom Lehrstuhl des Hamburger Rechtsprofessors Heribert Hirte, die dem Handelsblatt vorliegt, sind es bundesweit bereits über 30 000. Monatlich kommen mehr als 1 000 neue dazu. Damit ist, bezogen auf Gesellschaften mit beschränkter Haftung, bereits fast jede sechste Neuanmeldung eine Limited.

Dennoch warnen Experten. "Die Limited hat unbestritten einige Vorzüge gegenüber der GmbH", sagt Notar Thomas Wachter aus Osthofen in Bayern. "Ihnen stehen jedoch zahlreiche Nachteile gegenüber." Er verweist auf das komplexe englische Gesellschaftsrecht, das nicht nur für die Gründung, sondern auch für die laufende Tätigkeit und eine etwaige spätere Auflösung gilt.

Die Popularität der Ltd. verwundert auf den ersten Blick nicht. Gegenüber ihrer deutschen Konkurrenz hat sie handfeste Vorteile: Ihre Gründung erfolgt online und dauert meist nur wenige Tage. Als Haftungskapital reichen 1,50 Euro - bei der GmbH sind 25 000 Euro fällig. Und auch Kapitalerhöhungen, die Übertragung von Gesellschaftsanteilen und Satzungsänderungen lassen sich einfacher realisieren.

Experte Wachter tritt trotzdem auf die Euphoriebremse: "Die Gründung mag im Vergleich zur GmbH einfacher, schneller und günstiger sein, ihr Unterhalt ist oft das genaue Gegenteil."

So verpflichtet das englische Gesellschaftsrecht "deutsche" Limiteds etwa dazu, ein so genanntes Registered Office in England zu unterhalten, an das Zustellungen erfolgen und wo sämtliche Firmenunterlagen aufbewahrt werden müssen. Außerdem braucht die Gesellschaft einen Sekretär auf der Insel, der die vorgeschriebenen Anzeigen gegenüber der zuständigen Behörde (Companies House) vornimmt. Wer dabei vor Ort zuverlässig vertreten sein will, muss das teuer bezahlen.

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