Günther Fleig ist Personalvorstand und Arbeitsdirektor der Daimler-Chrysler AG
Günther Fleig: Verantwortung muss gelebt werden

Der Personalvorstand und Arbeitsdirektor der Daimler-Chrysler AG ist der Auffassung, dass man moralische Kompetenz als individuelles und höchstpersönliches Charaktermerkmal im Unternehmen weder von oben nach unten "verordnen", noch entlang der Hierarchiekette delegieren kann.

Unternehmerische Akteure müssen sich heute, ausgelöst durch politische, ökologische, soziale und wirtschaftliche Veränderungen, von denen die gesamte Weltwirtschaft betroffen ist, sehr komplexen Herausforderungen stellen. Gerade in global tätigen Unternehmen ist der Umgang mit den Veränderungen nicht nur ein Meisterstück der jeweiligen Industriebranche, sondern erfordert auch einen verantwortungsvollen, nachhaltigen und auf Ausgleich bedachten Umgang mit den Interessen aller Stakeholder.

In diesem Zusammenhang haben sich Konzepte entwickelt, die verantwortliches Wirtschaftsdenken reflektieren und letztlich zu einem Rekurs auf allgemeine moralische Prinzipien und kulturelle Werte führen; solche Konzepte finden sich unter den Stichworten der Corporate Governance wie in den Gedanken der Corporate Social Responsibility. Viele der entstanden Grundsätze werden bei DaimlerChrysler seit langem praktiziert, da wir unsere Mitarbeiter zu verantwortungsvollem Handeln anhalten. Ich bin davon überzeugt, dass es sinnvoll ist, diese Gedanken zu dokumentieren und umzusetzen, und ebenso, dass die Konzepte strategische Erfolgsfaktoren für einen nachhaltigen Unternehmenserfolg sind – nicht erst seit Enron oder WorldCom.

Dennoch sollte es nicht zu viele Regeln als vermeintlichem Ersatz für ein Wertesystem geben, die zur Folge haben, dass sich viele Menschen in alle Richtungen absichern. Verhaltenssysteme haben nur dann eine Chance auf Realisation, wenn die Akteure - im Unternehmen die Manager - eine hoch entwickelte moralische Kompetenz haben und danach leben und handeln. Manager, die wissen, was es heißt, Verantwortung für ein Geschäft und somit auch für die damit verbundenen Menschen und deren Familien zu übernehmen.

Diese Chance besteht meiner Meinung am ehesten, wenn die Unternehmenskultur ein dementsprechendes offenes Klima mit transparenten Informations- und Kommunikationswegen bietet, in die sich jeder einbringen kann, und die im Gegenzug auch Grenzen setzt sowie Sanktionen bei Fehlverhalten vorsieht.

Moralische Kompetenz als individuelles und höchstpersönliches Charaktermerkmal kann man, wie ich finde, jedoch im Unternehmen weder von oben nach unten "verordnen", noch kann man sie entlang der Hierarchiekette delegieren.

Gleichwohl ist der Ruf nach Recht und Ordnung, nach Anstand und Moral gerechtfertigt. Somit könnte der von Cabrera vertretene Ansatz sehr wohl wertvoll sein. Beispielsweise könnte eine Art hippokratischer Eid in einen Werdegang, d.h. in eine Ausbildung bzw. in ein Studium eingebettet werden und jungen Menschen die Möglichkeit geben, durch Aneignung, aber auch im Wege der kritischen Reflektion eigene Kompetenz aufzubauen.

So verstanden könnte die Idee der Entwicklung eines formellen Eides, einer Selbstverpflichtung einen wichtigen Beitrag zur Ausbildung künftiger Führungspersönlichkeiten leisten. Dann wäre es auch kein reines Lippenbekenntnis, sondern würde die Möglichkeit bieten, die Verantwortung eines künftigen Managers während der Ausbildung zu verinnerlichen und davon überzeugt zu sein.

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