Güterbahn
Alexander Hedderich - vom Denker zum Lenker

Alexander Hedderich rückt an die Spitze von DB Schenker Rail. Er soll die Güterverkehrssparte der Bahn wieder flott machen.

DÜSSELDORF. Auf diesen Karriereschritt hätten in Berlin, auf dem Höhepunkt der Datenschutzaffäre der Bahn vor einigen Monaten, wohl die wenigsten gewettet. Zu oft fiel der Name Alexander Hedderich im Zusammenhang mit den Namen anderer, die gehen mussten. Die Zukunft des obersten Konzernstrategen schien so ungewiss wie die vieler, die inzwischen eher unfreiwillig abgetreten sind.

Gehen muss er jetzt auch. Doch es geht für ihn aufwärts. Aus dem bisherigen „Leiter Konzernentwicklung“ wird heute der Vorstandsvorsitzende von DB Schenker Rail, der Schienengüterverkehrssparte. Der Chefdenker ist ab heute einer der Cheflenker – nicht mehr im feinen Büro in den Höhen des Berliner Bahn-Towers mit Blick auf Brandenburger Tor, Kanzleramt und Hauptbahnhof, sondern im – in puncto Ausblick und Ausstattung – nüchterner geratenen Gebäudekomplex der Güterbahn in Mainz.

Die Berufung ist ein mehrfacher Vertrauensbeweis für den 44-Jährigen von Bahn-Chef Rüdiger Grube. Der hatte Hedderich gleich zu Beginn seiner Amtszeit öffentlich von allen aus dem politischen Lager kommenden Diffamierungen in Sachen Datenaffäre reingewaschen.

Daran änderte sich auch nichts, als nach seiner Berufung noch einmal in Berlin nachgetreten wurde. Und jetzt gibt Grube ihm, dem stets unaufgeregt Wirkenden, noch einen der heißesten Jobs im Konzern.

Zwar ist die Güterbahn längst Marktführer in Europa und besser aufgestellt als viele ihrer Verfolger. Doch sie ist von der Wirtschaftskrise massiv betroffen. Hedderichs Vorgänger Klaus Kremper hatte es zwar geschafft, das chronisch defizitäre Cargo-Geschäft im vergangenen Jahr mit einem Halbe-Milliarde-Euro-Sprung in ansehnliche Gewinnzonen zu katapultieren. Doch das Unternehmen, das der gebürtige Nordhesse, heute übernimmt, ist fast mit demselben Tempo auf der Gegenbewegung zurück in die roten Zahlen.

Ob nun der Konzernstratege der richtige Mann für die Weichenstellungen in Sachen Gewinn ist, darüber streiten sich die Geister im Bahn-Tower. Keiner kenne den Konzern so gut wie Hedderich, sagen die einen. Und da ergebe es viel Sinn, die Güterbahn als eines der Kerngeschäfte der Deutschen Bahn gerade in Krisenzeiten jemand wie ihm mit dem nötigen Überblick anzuvertrauen.

Die Gegenstimmen sagen, dass es Hedderich komplett an operativer Erfahrung fehle. Verkaufen direkt beim Kunden, das habe er jedenfalls nicht gelernt.

Das würde er selbst kaum bestreiten. Von seiner Heimatstadt Wetzlar machte er sich vor 24 Jahren auf, um in Gießen Volkswirtschaft zu studieren. Das führte ihn fast zwangsläufig zu Gerd Aberle. Jenem streitbaren Gießener Professor, der seinerzeit zu den Vordenkern in Sachen Bahnreform gehörte. Fünf Jahre war Hedderich am Lehrstuhl von Aberle wissenschaftlicher Mitarbeiter.

Eine Randnotiz, die er heute eher achselzuckend hinnimmt: In seiner Promotion, summa cum laude vollendet und mit dem Stiftungspreis der Deutschen Verkehrsbank ausgezeichnet, forderte der junge Wissenschaftler für die Bahnprivatisierung, Schienennetz und Bahnbetrieb zu trennen.

Im Jahr 1999 bei der Bahn angekommen, musste der kühle Analytiker schnell das Gegenteil seiner wissenschaftlichen Erkenntnis verkünden. Was ihm seine Weggefährten von damals heute noch verübeln, sieht er eher pragmatisch: Die Praxis im Unternehmen habe ihm gezeigt, dass der integrierte Konzern mit Netz und Betrieb das bessere Modell sei.

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