Guido Rossi
Moralprediger im Bordell

Der bekannte Rechtsanwalt und ehemalige Mailänder Börsenaufseher Guido Rossi soll den italienischen Fußball retten.

MAILAND. Das schüttere Haar fast weiß, der Körperbau grob, die Augen tiefblau – so sieht er aus, der Zwangsverwalter des italienischen Fußballs. 75 Jahre ist er alt, er hat eine beeindruckende Karriere als Rechtsanwalt und Börsenaufseher hinter sich. Jetzt hat er auf seine alten Tage noch einmal einen Posten angenommen, auf den eine ganze Nation blickt: Guido Rossi ist neuer Chef des Fußballverbands FIGC (Federazione Italiano Giuoco Calcio), der als Teil des größten Skandals der italienischen Fußballgeschichte im Chaos zu versinken droht.

Rossi, der in Mailand und Rom als Vordenker des italienischen Kartellrechts gilt, soll dem italienischen Fußball neue Regeln geben – und, fast genauso wichtig, seine Ehre retten.

Der jüngste Skandal, in dem Schiedsrichter bestochen und Spiele gekauft wurden, hat den gesamten Nationalsport in Verruf gebracht. Insgesamt vier Staatsanwaltschaften ermitteln. Im Mittelpunkt steht der Sportdirektor von Juventus Turin, Luciano Moggi, der mit mafiösen Methoden für Siege gesorgt haben soll.

Moggi kontrolliert indirekt auch die mächtige Marketingagentur Gea, für die außer seinem Sohn auch der Sohn des Nationaltrainers Marcello Lippi arbeitet. 200 Spieler und 20 Trainer der ersten Liga hat die Gea unter Vertrag. Die Agentur kümmerte sich um Spielerverkäufe, Werbeverträge und ganz offenbar auch die Pflege der Schiedsrichter. Diese Woche stolperte sogar der bekannte Sportjournalist Aldo Biscardi über die Affäre. Moggi soll dem Moderator die Kommentierung von Fernsehbildern in Zeitlupe über umstrittene Schiedsrichterentscheidungen diktiert haben.

Mit alldem soll Rossi jetzt Schluss machen. „Ich bin überhaupt nicht beunruhigt“, lässt der Anwalt bei seiner Ernennung wissen. „Schon als ich damals Präsident der Börsenaufsicht Consob wurde, hat man gescherzt: ,Du gehst als Moralprediger in ein Bordell’“, erzählt er über seine Berufung im Februar 1981.

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