Guido Rossi soll Telecom Italia retten
Der rote Marktverfechter

Banken, Fußball, Telekommunikation – wenn es in Italien brennt, muss Guido Rossi ran. Jetzt soll er Telecom Italia retten.

MAILAND. Banken, Fußball, Telekommunikation – wenn es in Italien brennt, muss Guido Rossi ran. Und derzeit brennt es bei Telecom Italia nach dem Rücktritt von Marco Tronchetti Provera als Präsident des Unternehmens. Der 75-jährige Jurist Rossi soll jetzt also bei dem italienischen Ex-Monopolisten für Ordnung sorgen.

In der Finanz- und Anwaltsszene ist der Harvard-Absolvent schon lange bekannt. Er ist nicht nur der ehemalige Präsident der italienischen Börsenaufsicht Consob. Rossi, der Großkanzleien schmäht und seine Kanzlei nur mit Hilfe seiner Ehefrau und einer Sekretärin führt, zieht auch als Anwalt illustre Kunden an: Im vergangenen Jahr wandten sich die ausländischen Banken ABN Amro und BBVA bei ihren Expansionsplänen in Italien an die Ein-Mann-Kanzlei aus Mailand.

Die breite Öffentlichkeit nimmt Rossi allerdings erst seit diesem Frühjahr wahr: Als der italienische Fußball im Sumpf eines riesigen Korruptionsskandals zu versinken drohte, wurde Rossi zum neuen Chef des Fußballverbands FIGC ernannt. Als eine Art Zwangsverwalter des italienischen Fußballs sorgte er dafür, dass Rekordmeister Juventus Turin heute in der zweiten Liga spielt.

Bei seinem Antritt als Saubermann des Fußballs sagte der Jurist, der sich für Sport wohl nie besonders interessierte: Er fühle sich wie ein „Außerirdischer in dieser Welt“. Das kann er bei Telecom Italia nicht behaupten. Er war es, der das Unternehmen vor fast zehn Jahren als Präsident auf dem Weg in die Privatisierung begleitete. Damals war Romano Prodi Regierungschef.

„Vor zehn Jahren bin ich von Prodi gerufen worden, um Telecom Italia zu privatisieren. Heute bin ich von Tronchetti Provera gerufen worden, um zu verhindern, dass die Gruppe verstaatlicht wird“, umschreibt Rossi die Lage halb im Scherz. In der vergangenen Woche ist das Projekt eines engen Beraters von Romano Prodi bekannt geworden, das die mögliche Verstaatlichung der Festnetzsparte des Konzerns vorsieht. Dadurch soll verhindert werden, dass das Netz in ausländische Hände fällt.

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