Guillaume de Posch
Der Fernsehmogul

Die Besitzer wechseln, der Chef bleibt: Prosiebensat.1 Media-Chef Guillaume de Posch hat all die Turbulenzen der vergangenen Jahre unbeschadet überstanden und soll nun von München aus den größten TV-Konzern Europas schmieden.

dpa-afx MÜNCHEN. Dabei erwarten die neuen Besitzer KKR und Permira eine möglichst reibungslose Fusion mit der Senderkette SBS Broadcasting und gleichzeitig am besten noch eine deutliche Steigerung der Renditen. Für den kniffligen Job ist der 48-jährige Belgier nach Einschätzung in der Branche aber geeignet wie kaum ein anderer. De Posch sei "der beste Fernseh-Manager in Europa und wahrscheinlich in der Welt", sagt der US-Milliardär Haim Saban über den Belgier. Schließlich hat de Poschs Arbeit entscheidend mit dazu beigetragen, dass Saban und seine Finanzinvestoren ihren Einsatz beim Verkauf von Prosiebensat.1 vervielfachen konnten.

Nach einem Eigentümerwechsel hat es bei vielen Unternehmen auch Veränderungen im Spitzenmanagement gegeben. Viele Chefs lassen sich in ihre Verträge eine "Change-of-Control"-Klausel schreiben, mit der sie bei einem Besitzerwechsel das Unternehmen mit einer hohen Abfindung verlassen können. De Posch lässt aber keinen Zweifel daran, dass er an Bord bleiben will. "Natürlich bin ich bereit, weiter zu machen." Auch Permira-Deutschlandchef Thomas Krenz beeilte sich, nach der Übernahme zu betonen: "Wir unterstützen das Management.

Ziel von KKR und Permira ist es, aus Prosiebensat.1 und SBS Broadcasting, das vor allem in Skandinavien und Osteuropa aktiv ist, einen europäischen Marktführer zu formen. Noch aber ist der Abstand zur bisher konkurrenzlos dominierenden RTL Group groß. Zudem hatten auch die Luxemburger mit ihrem breit gestreuten Portfolio lange mit Reibungsverlusten zu kämpfen. De Posch gilt für viele auch deshalb als der richtige Mann, weil er genau dies aus eigener Erfahrung weiß. Denn nach dem Betriebswirtschafts-Studium in Brüssel und ersten Berufserfahrungen beim Energiekonzern Tractebel und bei Mckinsey hatte er seine Medienkarriere 1993 bei der Compagnie Luxembourgeoise Telediffusion (jetzt RTL Group) begonnen. Zunächst war er Assistent der Geschäftsführung, später übernahm er dann die Verantwortung für die TV-Aktivitäten der CLT in den französischsprachigen Ländern.

Auf Haim Saban traf de Posch in seiner Zeit beim französischen Pay-TV-Anbieter TPS ab 1997. Als Saban nach der Kirch-Pleite für einen Schnäppchenpreis Prosiebensat.1 übernahm, holte er de Posch als seinen Mann nach München. Zunächst war der Belgier für das operative Geschäft verantwortlich, 2004 übernahm er dann den Vorstandsvorsitz vom glücklosen Urs Rohner.

De Posch gelang es, die Kosten deutlich zu senken, ohne Marktanteile zu verlieren. Das Vorsteuerergebnis legte im vergangenen Jahr um 60 Prozent auf 350 Mill. Euro weiter zu. Bei den Marktanteilen liegt die Prosiebensat.1-Gruppe in Deutschland derzeit etwa gleichauf mit den Sendern von RTL in Deutschland. Für einen Fernsehmanager sei der Job einfach umschrieben, sagt de Posch. "Man muss mehr Tops als Flops im Programm haben."

Im Unternehmen ist de Posch beliebt. Bei den Mitarbeitern bedankte er sich vor kurzem ausdrücklich, für ihre Gelassenheit angesichts der turbulenten Jahre. Positiv angerechnet wird ihm, dass er präsent ist im Hause und oft bis tief in die Nacht in seinem Büro sitzt. Arbeitnehmervertreter loben den Belgier als verlässlichen Verhandlungspartner mit einer umgänglichen Art. "Manchmal hat er fast etwas Studentisches an sich", sagte mal einer, der oft mit ihm zu tun hat. Auch Springer-Chef Mathias Döpfner bekam den manchmal eigenen Humor de Poschs schon zu spüren. Als die - später gescheiterte - Übernahme von Prosiebensat.1 durch den Springer-Verlag verkündet wurden, witzelte der Belgier zur Eröffnung der feierlichen Pressekonferenz, man passe gut zusammen: Die Frauen bei Prosieben und Sat.1 sähen mindestens genauso gut aus wie die in der "Bild"-Zeitung.

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