Gunter Pleuger soll für Deutschland einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat ergattern – ein fast unmöglicher Job
Der letzte Kampf des Welt-Managers

"Guten Tag, ich heiße Gunter Pleuger“, sagt Gunter Pleuger und neigt kurz den Kopf. Er steht im Foyer des Deutschen Hauses in New York. Mit seinem breitkrempigen Hut könnte er an der Seite von John Wayne durch El Dorado reiten, und der lange dunkle Mantel lässt ihn noch größer erscheinen, als er ohnehin schon ist.

DÜSSELDORF. Einen Colt trägt Pleuger nicht. Aber schießen kann er, rhetorisch elegant aus dem Mund unter dem kräftigen Schnurrbart und in mehreren Sprachen, wie es sich für einen brillanten Botschafter gehört. Und dass Pleuger brillant ist, das geben selbst seine Gegner zu, deren Zahl zuletzt stetig gestiegen ist.

An diesem Wochenende erlebt Deutschlands Uno-Botschafter seinen Showdown. Dann kommt sein Vorgesetzter Joschka Fischer nach New York, um mit den Kollegen aus Brasilien, Japan und Indien einen letzten Versuch zu starten, den Sicherheitsrat der Weltorganisation von 15 auf 25 Mitglieder zu erweitern und Deutschland einen ständigen Sitz im Vorstand der Weltpolitik zu sichern.

191 Staaten sind Mitglieder der Uno, und wenn es um die prestigeträchtigsten Sessel der Welt geht, heißt das „jeder gegen jeden“. Am Dienstag ließ George W. Bush erstmals öffentlich verkünden, dass die USA keinen größeren Sicherheitsrat wünschen – zu ineffektiv.

Eigentlich ist Pleugers Aufgabe eine unmögliche. Darum ist sie genau die richtige für den 64-Jährigen.

Ach ja, die Uno! Pleuger ist infiziert vom multikulturellen Gewusel am East River, seit er zum ersten Mal als Diplomat nach New York kam. 1970 war das, Deutschland war noch nicht einmal Uno-Mitglied. 138 Tagesordnungspunkte hatte die Generalversammlung damals, das weiß Pleuger noch heute. Der Anfänger bekam ein Vier-Quadratmeter-Büro im Chrysler-Hochhaus.

Heute ist sein Eckbüro oben im „German House“ zehnmal so groß. Als Karrierediplomat hat Pleuger alles erreicht: 1999 wurde er Staatssekretär. Drüber geht eigentlich nichts mehr für einen Beamten. Für Pleuger schon: noch mal zur Uno, das wär’s. 2002 durfte er zurück. In diesen Tagen sollte er in den Ruhestand gehen. Aber Pleuger darf weitermachen. Er ist noch nicht ganz fertig.

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