Gunter Thielen wird Aufsichtsratsvorsitzender
Schulte-Hillen verliert Machtkampf

Die Verleger-Legende Gerd Schulte-Hillen tritt ab. Der 62jährige Manager gibt zum 30. Oktober 2003 den Vorsitz des Aufsichtsrats bei der Hamburger Bertelsmann-Tochter Gruner + Jahr (Stern, Geo) ab. Sein Amt übernimmt der Bertelsmann-Vorstandsvorsitzende Gunter Thielen.

HAMBURG. Schulte-Hillen wird weiterhin den Vorsitz des Kontrollgremiums bei der Gütersloher Bertelsmann AG, Europas größtem Medienkonzern, behalten. Als Grund für seinen Rücktritt nennt Schulte-Hillen, dass der Medienkonzern im Sinne der Corporate–Governance-Grundsätze Doppelmandate bei Mutter- und Tochtergesellschaften vermeiden wolle. „Der Schritt fällt mir nicht leicht, obwohl er jetzt richtig ist“, erklärte der langjährige Vorstandsvorsitzende der Verlagstochter von Bertelsmann. Damit verliert „Bela“, wie Schulte-Hillen unternehmensintern genannt wird, seine Hausmacht im Gütersloher Medien-Konzern.

Gruner + Jahr gilt als die Hochburg des gelernten Ingenieurs. Schließlich hatte Schulte-Hillen das Verlagshaus mehr als 20 Jahre geleitet und zu einem milliardenschweren Printkonzern ausgebaut. Während seiner Amtszeit sollen zwischen 2,5 und 3 Mrd. Euro an Erträgen in die Gütersloher Konzernkasse geflossen sein. Den Aufsichtsratsvorsitz hatte er im November 2000 übernommen.

Der grundsätzliche Beschluss zur Ablösung Schulte-Hillens war nach Handelsblatt-Informationen bereits im Frühjahr 2002 mit Blick auf einen möglichen Börsengang gefallen. Gleichzeitig sollte aber auch Bewegungsfreiheit für den Vorstandsvorsitzenden bei G+J, Bernd Kundrun, geschaffen werden. Kundrun gilt als Bertelsmann-loyaler Manager, der aber nie aus Schulte-Hillens Schatten heraustreten konnte. Schulte-Hillen wiederum gilt als die Stimme der Verlegerfamilie Jahr, Minderheitsgesellschafter bei G+J, in Gütersloh.

Diese Konstellation war schon länger von Misstönen geprägt: Mitte 2001 hatte etwa die Hamburger Verlegerdynastie Jahr die Doppelrolle von Bernd Kundrun als Vorstandsmitglied bei Bertelsmann und als Vorstandsvorsitzender von Gruner + Jahr gerügt. Sie befürchtete, dass Kundrun als Vorstand bei Bertelsmann Entscheidungen treffen könnte, die die Jahr-Familie als Minderheitsaktionäre des Hamburger Verlagshauses benachteiligen könnten. Bertelsmann, so heißt es, möchte G+J wiederum schon seit langem enger mit anderen Teilen des Konzerns verzahnen. Die G+J-Druckereien sind beispielsweise nicht – wie die anderen Druckereien – bei der Bertelsmann- Tochter Arvato zusammengefasst.

Ob Bertelsmann nach dem Rücktritt von Schulte-Hillen weitere Doppelmandate, wie das von Kundrun, abschaffen wird, ist fraglich. Ein Bertelsmann-Sprecher erklärte hierzu auf Anfrage jedenfalls, dass die Funktionen von Schulte-Hillen und Kundrun nicht vergleichbar seien.

Die Situation für Schulte-Hillen – der noch eine maßgebliche Rolle bei der Ablösung von Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff im vorigen Jahr gespielt haben soll – eskalierte im Laufe der Zeit, als er immer stärker auch mit der Eigentümerfamilie Mohn aneinander geriet. Der Manager hatte zuletzt in einem Magazininterview den Führungsstil der Familie öffentlich kritisiert und sich dabei unbeliebt gemacht. Schulte-Hillen versuchte daraufhin zwar noch einmal, die Wogen zu glätten. Aber das gelang ihm offenbar nicht mit vollem Erfolg. Die Bertelsmann-Familie forcierte seine Ablösung auf dem Aufsichtsratsposten bei Gruner + Jahr.

Schulte-Hillen hatte seine Laufbahn 1969 als Assistent der Geschäftsleitung bei der Bertelsmann-Tochter Mohndruck begonnen. Der ausgebildete Verfahrenstechniker und Betriebswirt durchlief mehrere Stationen im Konzern vor allem im Druckbereich, bevor er im Juli 1981 Vorstandsvorsitzender von Gruner + Jahr wurde. 1985 wurde er auch Mitglied im Vorstand der Konzernmutter Bertelsmann AG.

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