Guy Hands hat mit dem Kauf von Tank & Rast die Niederlagenserie in Deutschland beendet
Der Pate des Private Equity

Dieser Mann schreckt nicht einmal vor Müll zurück. Guy Hands, Chef der britischen Terra Firma Capital Partners, investiert nach dem Motto: „Kaufe kein Geschäft, das gerade schick ist.“

LONDON. Und so kommt es vor, dass sich seine Firma, die sich auf außerbörsliche Beteiligungen (Private Equity) spezialisiert, wie Mitte des Jahres in Großbritannien auch schon mal in zwei Abfall- und Recyclingunternehmen einkauft.

Vor einigen Tagen ist Hands mit Tank & Rast auch in Deutschland der erste richtige Deal gelungen. Bislang ist Terra vor allem durch den Kauf von 64 000 Eisenbahnerwohnungen ihrer Tochter Deutsche Annington bekannt. Diesmal bleibt Hands seinem langjährigen Motto treu: Auch wenn Tank & Rast mit ihren 338 Tankstellen und 381 Raststätten ein solides Unternehmen ist – besonders glamourös ist es nicht.

Für den immer noch jugendlich wirkenden Hands ist der Kauf der lang ersehnte Triumph nach vielen Niederlagen. Ob Bankgesellschaft Berlin, die Wohnungsgesellschaften GAG und Grubo oder Gelsenwasser – immer wurde der Mann, der in der Branche dank seiner cleveren Deals als das Vorbild vieler Kollegen gilt, bestenfalls zweiter Sieger. Mochte er auch noch so sehr das Potenzial in Deutschland betonen oder dass er sich langfristig an seine Investments bindet. Er hatte kein Glück, oder wie er es sagt: „Ich wollte nicht zu viel zahlen.“

Über sechs Jahre habe er sich Tank & Rast angeschaut, und „mindestens die nächsten fünf Jahre halte ich daran fest“, sagt er nun. Auch das entspricht seinem langjährigen Glaubensgrundsatz: Der größte Vorteil von Private-Equity-Managern, sagte er noch Anfang November auf einer Konferenz in Paris, liegt in ihrem langfristigen Denken. Anders als börsennotierte Firmen, die sich von Quartal zu Quartal hetzen, haben Leute wie Hands einen Gestaltungshorizont von drei bis fünf Jahren. Dafür müssten sie aber in einem kompetitiveren Umfeld stärker bereit sein, in das operative Geschäft einzugreifen, mahnt er.

Hands ist so etwas wie der Pate des Private Equitys. In den 90er-Jahren wurde sein Name nur mit einer gewissen Ehrfurcht ausgesprochen. Er war nicht nur der bekannteste Deal-Maker seiner Gilde. Er galt als Richtwert, wenn es um außerbörsliche Finanzierungen ging. Sternchen wie Robin Saunders nahmen das Konzept zum Vorbild, unterbewertete Firmenperlen mit einem sicheren Einnahmestrom zu finden und zu kaufen, das Potenzial zu erschließen und sie später wieder zu verkaufen. Während die Kopien im Laufe der Zeit verschwanden, leuchtet Hands’ Stern auch vier Jahre nach dem Platzen der Blase – wenn auch längst nicht so hell wie zur Zeit des Börsenbooms.

Der Ruf des 45-Jährigen als „Investment-Guru“ der Londoner City geht auf seine Zeit bei der japanischen Bank Nomura zurück, bei der er 1994 die Principal Finance Group gründete. Mit dem Kauf und Verkauf von Pubs und Wettbüros machte Hands ein Vermögen. Zeitweise verantwortete Nomura mit 7 000 Kneipen in ihrem Portfolio buchstäblich die längste Theke Großbritanniens.

Terra Firma ist die Fortsetzung, zumal Hands damit auch Teile der für Nomura zusammengekauften Beteiligungen verwaltet. Doch so gut wie damals lief es anfangs nicht, auch wenn sich an Hands’ pausbäckigem Charme, gepaart mit Hartnäckigkeit, nichts geändert hat. Statt der von ihm avisierten drei Milliarden Euro sammelte er für seinen ersten Fonds auf eigene Faust nur 2,2 Milliarden ein – in schwierigen Zeiten immer noch eine Menge. Teile seines Portfolios wie die Luxus-Hotelkette Le Meridien gerieten wegen des 11. September in Schwierigkeiten. Auch privat zeigte er bei seinen Geschäften wenig Fortune.

Auf dem Gelände eines ehemaligen Stahlbetriebs in der Nähe von Corby, mitten im englischen Northamptonshire, investierte der Autofan einen zweistelligen Millionenbetrag in eine Rennstrecke – und verlor. „Das Timing war nicht gut“, räumt er ein. Die Kosten liefen aus dem Ruder, und das Eröffnungsrennen fiel im strömenden Regen buchstäblich ins Wasser. Hands zog die Notbremse, verkaufte den Track für ein Pfund („Ich glaube, ich habe damals zwei Fünfzig-Cent-Stücke bekommen“) und machte ein Minus von 30 Millionen Pfund. Dennoch zählt Hands, der selbst über so ein Fiasko charmant plaudert, nach wie vor den Verkauf des Wettbüros William Hill zu seinen schlechtesten Entscheidungen. Zwar machte er damals für Nomura einen Gewinn von 140 Millionen Pfund. Hätte er daran festgehalten, hätte er fünf Jahre später zwei Milliarden bekommen.

Beruflich konnte der Fan des Fußballclubs Manchester United zuletzt immerhin wieder zukaufen. So stieg er noch in zwei Kinoketten ein. Ironischerweise löste er den Anteil der Odeon-Gruppe ausgerechnet aus dem Portfolio von Robin Saunders.

Der Kauf von Tank & Rast hat den Hunger des Finanzinvestors Hands in Deutschland nicht gestillt. Rund 800 Millionen Euro stehen ihm noch zur Verfügung. „Deutschland ist für mich ein Schlüsselmarkt“, sagt er. In nächster Zeit werde er sich aber wieder den hiesigen Wohnungsmarkt näher anschauen.

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