Guy Hands ist Chef des Kapitalgebers Terra Firma
Ein Mann für unscheinbare Fälle

Guy Hands ist einer der bekanntesten Figuren der Wagniskapital-Branche in Europa. Hands ist Chef des Private-Equity-Finanzierers Terra Firma. Er kauft unterbewertete Unternehmen und verkauft sie wieder mit Gewinn. Hands engagiert sich besonders in Deutschland.

LONDON. Kürzlich bekam Guy Hands höchste politische Ämter angetragen. Wenn dieser Mann in die Politik gegangen wäre und ähnliche Erfolge gefeiert hätte wie in seinem jetzigen Beruf als Private-Equity-Investor, sagte der frühere Chef der britischen Konservativen, William Hague, „wäre er heute garantiert Premierminister.“

Zwar hätte Hands als studierter Ökonom und Philosoph für eine Karriere als Politiker gute Startbedingungen, stand er doch wie Hague einst dem konservativen Studentenverband seiner Uni Oxford vor. Auch lässt er sich mit seinen gewellten Haaren und der runden Brille zweifellos als Charakterkopf bezeichnen. Doch wer das Investitionsprofil des 45-Jährigen studiert, nimmt Abstand von der Idee einer Polit-Karriere: Denn Hands sucht eher langweilige Themen.

Abfallentsorger, Raststätten, Hotels, Immobilien zum Beispiel interessieren den Chef des Private-Equity-Finanzierers Terra Firma. Für einen Politiker wäre dies wohl der direkte Weg aufs Abstellgleis. Hands sucht unterbewertete „Perlen“, die eine gute Grundsubstanz und relativ gesicherte Geldzuflüsse haben. Sie päppelt er Jahre auf – und verkauft sie weiter. Je langweiliger die Branche, umso besser. Spektakulär sollen nur die Preisunterschiede zwischen An- und Verkauf sein.

In diesem Jahr schreckte er Deutschland auf dem Höhepunkt der Heuschrecken-Debatte mit dem Kauf der Wohnungsgesellschaft Viterra für sieben Milliarden Euro auf. Doch Hands ist ein alter Bekannter: Vor vier Jahren übernahm er 64 000 Eisenbahner-Wohnungen in sein Portfolio, beim Immobilien-Konzern Gagfah zog Hands gegen den US-Bieter Fortress den Kürzeren.

Aus seinem Interesse an Deutschland macht er keinen Hehl. Er verteidigt sogar den Standort, wo er kann. Er sagt stets, dass sich hier der für ihn interessanteste Markt befindet. Und dass sich das Land doch nicht so sehr „herunterreden“ soll.

Hands ist eine der bekanntesten Figuren der Wagniskapital-Branche in Europa. In Großbritannien, wo seine Firma ebenfalls einen wichtigen Markt sieht, gilt er als einer der ersten Antreiber. Hands, der seine bemerkenswerte Karriere trotz einer Lese- und Schreibschwäche gemacht hat, fing 1982 zunächst woanders an: als Anleihehändler der US-Investmentbank Goldman Sachs.

Nachdem er es mit 26 Jahren zum Chef einer Abteilung gebracht hatte, wechselte er 1994 zur japanischen Nomura-Bank. Dort baute er den Bereich Principal Finance auf. Er kaufte und verkaufte Pubs und Wettbüros im großen Stil, zeitweise war er mit mehr als 7 000 Kneipen in seinem Portfolio der größte Gastwirt im Land. Im Jahr 2001 machte sich Hands unter dem Namen Terra Firma selbstständig, 70 seiner Nomura-Leute nahm er mit.

Sein Prinzip der Suche nach unterbewerteten Perlen zog viele Nachahmer an. Anders als sie konnte er sich auch von Rückschlägen erholen. So musste er das Volumen seines ersten Fonds beträchtlich reduzieren, die von ihm gekaufte Hotel-Kette Le Meridien geriet durch die Terroranschläge des 11. September in Bedrängnis. Auch ein privates Investment – der Kauf einer Auto-Rennstrecke – brachte ihm einen Verlust in zweistelliger Millionenhöhe ein. Angesichts eines über Jahre beträchtlichen Erfolges kann der Vater von vier Kinder und große Fan von Manchester United diesen Verlust verschmerzen.

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