Hängepartie beendet
Deutz ringt sich zu einem neuen Chef durch

Erst nach sieben Monaten ist die Entscheidung gefallen: Helmut Leube wechselt von Webasto an die Spitze des Kölner Motoren-Spezialisten.

DÜSSELDORF. Mehr als sieben Monate hat der Aufsichtsrat des Kölner Motorenherstellers Deutz gebraucht, um einen Nachfolger für Gordon Riske zu finden. Nun hat das Gremium Helmut Leube als den künftigen Vorstandsvorsitzenden für die nächsten fünf Jahre präsentiert ? endlich.

Dabei ist der 1953 im hessischen Haiger geborene, promovierte Maschinenbauer alles andere als ein Verlegenheitskandidat. Einen "ausgewiesenen Fachmann aus der Autoindustrie mit starker internationaler Ausprägung" nennt ihn der Aufsichtsrats-Vorsitzende Giuseppe Vita.

Leube war von 1987 bis 2004 bei BMW und brachte es in München vom Leiter der Motorenfertigung bis zum Leiter des Werkes München. Dazwischen arbeitete er einige Jahre als Chef der BMW -Tochter in Spartanburg in den USA. Seit 2004 ist der Bartträger Leube im Vorstand des Autozulieferers Webasto in Stockdorf südlich von München für den Bereich Dachkonstruktion zuständig. Als Gordon Riske im Mai ankündigte, dass er das Kölner Traditionsunternehmen, das er saniert hat, Ende September verlassen würde, um zum Gabelstapler-Spezialisten Kion zu wechseln, hatte sich Oberaufseher Vita noch optimistisch gezeigt. Die Nachfolgersuche sei "bereits eingeleitet", hieß es. "Wir sind zuversichtlich, dass wir sehr bald einen geeigneten Kandidaten finden werden." Die Suche habe sich bald auf drei Kandidaten zugespitzt, heißt es in Aufsichtsratskreisen.

Dass es dennoch so lange bis zu einer Entscheidung gedauert hat, lag offensichtlich an der schwierigen Abstimmung zwischen den beiden großen Anteilseignern bei Deutz.

Denn Riske hatte in den sieben Jahren seiner Amtszeit das Traditionsunternehmen nicht nur vor dem Kollaps gerettet, auf das Kerngeschäft reduziert und die Auslandsexpansion durch ein Joint Venture in China in die Wege geleitet ? er beteiligte auch die Großkunden Volvo und Same am Kapital von Deutz.

Volvo ist mit Abstand der größte Kunde bei Deutz, hält allerdings nur eine Beteiligung von sieben Prozent. Der italienische Landmaschinenbauer Same ist dagegen mit 40 Prozent beteiligt und wird seine eigene Motorenproduktion komplett einstellen. Die Italiener kommen aber längst nicht an die Mengen heran, die Volvo von Deutz bezieht.

Die beiden ungleichen Anteilseigner sind sich nicht unbedingt grün. Bereits die Bestimmung von Gino Mario Biondi direkt von Same zum neuen Deutz-Vorstand soll bei Volvo Stirnrunzeln ausgelöst haben. Denn sie erfolgte, bevor ein neuer Chef gefunden war. Die schwierige Balance zwischen Volvo und Same zu halten dürfte eine der Hauptaufgaben des neuen Deutz-Chefs sein.

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