Hakelmacher
Vor Entgleisungen bewahren

Vom Hakelmacher zum Risikoberater – die interne Revision gibt sich mit der Statistenrolle nicht mehr zufrieden. Sie sieht sich vielmehr als Problemlöser und professioneller Risiko-Coach. Doch noch immer unterschätzen viele deutsche Unternehmen, wie bedeutsam ihre firmeneigenen Prüfer sind.

DÜSSELDORF. Die internen Revisoren der Deutschen Bahn zogen die Notbremse. Denn ihre Ermittlungen brachten prekäre Entgleisungen zu Tage: Unzulässige Zulagen und Zuschläge, auffällige Einkommenssteigerungen, großzügige Freistellungen und Reiseabrechnungen hatten etlichen Betriebsräten ein behagliches Nest bereitet – und das über Jahre. Bis die Prüfer auf Geheiß des neuen Personalvorstands alles genau unter die Lupe nahmen. Die internen Ermittler hielten ihren Bericht von 2002, der erst kürzlich publik wurde, gar für so brisant, dass sie auf jegliche Wertungen und Empfehlungen verzichteten – anders als es sonst in einem Revisionsreport Usus ist. Die Missstände wurden abgestellt, versichert die Bahn. Schließlich hatte Hartmut Mehdorn vor sieben Jahren den Kampf gegen Korruption zur Chefsache erklärt. Wichtiger Sparringspartner: die interne Revision – sie soll die Anfälligkeit für Korruption senken, betont die Bahn.

Wie bedeutsam firmeneigene Prüfer sind, unterschätzen deutsche Unternehmen häufig, beobachtet Robert Heinrich, Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Zwar ist die interne Revision aus ihrem Schattendasein herausgetreten – richtig ernst genommen wird sie aber im eigenen Hause längst noch nicht. Gerade einmal jeder zweite Finanzvorstand sagt, die Arbeit der internen Revision findet im Unternehmen Akzeptanz. Dies zeigt eine Umfrage von Ernst & Young unter 175 Unternehmen.

Darüber kann sich Michael Hendricks, Jurist und Experte für Managerhaftung, nur wundern: „Legt die interne Revision einen kritischen Bericht vor, müssten bei Vorständen und Aufsichtsräten sofort die Alarmlampen angehen. Aber oft schauen sie weg und ergreifen viel zu spät Gegenmaßnahmen.“ Das ist nicht nur für sie ganz persönlich strafrechtlich gefährlich. Denn nicht erst seit dem Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) von 1998 haften Vorstände selbst mit Haut und Haar – ihrem Privatvermögen. Auch Aufsichtsräte können sich nicht zurücklehnen und müssen im Verdachtsfall Sondergutachten in Auftrag geben – sonst haften sie mit. Hendricks: „Wer Missstände, die die interne Revision meldet, unter den Teppich kehrt, für den zahlt später keine Managerhaftpflichtversicherung.“

Interne Revisoren hatten schon immer Probleme, sich im Unternehmen Gehör und Standing zu verschaffen. Jahrzehntelang wurden sie als reine Hakelmacher belächelt, erinnert sich Regine Nolte, Leiterin Interne Revision von Thyssen-Krupp. Ab Mitte der 80er-Jahre schafften zahlreiche Firmen sogar ihre Audit-Abteilungen ganz ab. Der Grund: „Viele Manager dachten, die EDV sei unbestechlich und könne die Finanzen besser kontrollieren als Menschen“, so Nolte. Ein Irrglaube, wie die Bilanzskandale um Enron und Flowtex oder Korruptionsaffären wie bei VW oder Siemens deutlich machten. „Erst die Fülle neuer gesetzlicher Bestimmungen hat die Risikofrüherkennung und damit auch die interne Revision aufgewertet“, sagt Klaus-Michael Thelemann, Partner und Experte für Risikomanagement bei Ernst & Young. Demnächst wird noch die achte EU-Richtlinie umgesetzt. Dabei sollen Mindestanforderungen für die Revision, wie sie etwa für Kreditinstitute gelten, auf andere Branchen übertragen werden.

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