Hand ab – Kontostand rauf
Verstümmeln, damit der Versicherer zahlt

Beim einen ist es die Gehwegplatte, beim anderen die Kreissäge, beim dritten die Schlittschuhkufe: Versicherungsnehmer, die eine Unfall- oder Berufsunfähigkeitspolice abgeschlossen haben, spielen immer öfter Schicksal.

HB GARMISCH. Sie hacken sich die Hand ab, verstümmeln ihr Bein oder lassen sich sogar mit dem Auto überfahren. Rechtsanwalt Hubert van Bühren aus Köln kann ein Lied davon singen. "Das kommt leider häufig vor. Dass sich Versicherungsnehmer selbst verstümmeln, um nicht mehr arbeiten zu müssen und die Berufsunfähigkeitsleistung zu kassieren". Überraschend dabei: Der Anteil der Akademiker, so der Versicherungsexperte, ist besonders hoch.

Hand ab - Kontostand rauf: Selbstschädigungen haben Hochkonjunktur, vor allem in diesen krisengeschüttelten Zeiten. Das weiß auch der Hamburger Rechtsanwalt Klaus Hitzer: "In finanziell immer enger werdenden Zeiten suchen die Menschen nach zusätzlichen Einnahmequellen - und erinnern sich dann ihrer Versicherungspolice."

Exemplarisch ist für Hitzer der Fall eines Versicherungsvertreters, der gleich 13 Unfallversicherungsverträge auf seinen Namen abgeschlossen hatte. Um Kasse zu machen, hackte er sich schließlich kurzerhand die Hand ab.

Doch die Versicherer sind mittlerweile gut vorbereitet auf derartige Fälle. Mit einem Sammelsurium von Abwehrmaßnahmen versuchen sie, Betrügern auf die Schliche zu kommen. So fragen sie etwa bei jeder Schadensmeldung nach, ob noch weitere Unfallpolicen bestehen - und unter der Hand tauschen sie auch schon mal Kundendaten aus. "Obwohl das datenschutzrechtlich verboten ist", so Hitzer. Seinem Vertreter wurde das zum Verhängnis. Als der die Frage nach den Policen mit "Nein" beantwortete, weigerten sich alle 13 Versicherungen zu zahlen. Zu Recht, sagt van Bühren: "Das gilt als Obliegenheitsverletzung mit der Folge, dass kein Versicherungsschutz besteht."

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