Handballer Bernhard Kempa
Fritz Walter des Handballs

Er ist bei der Handball-Weltmeisterschaft voll dabei – und zwar in mehrfacher Hinsicht: Bernhard Kempa besucht viele Spiele. Außerdem nutzen zahlreiche Spieler seinen Trick, der ihn weltberühmt gemacht hat. Und der Name des heute 86-Jährigen prangt auf den Trikots und den Schuhen der deutschen Nationalmannschaft von Ausrüster Uhlsport.

STUTTGART. Erstmals führte Kempa den legendären Spielzug bei einem inoffiziellen Länderspiel am 24. März 1954 gegen die Schweiz (10:10) in der Karlsruher Schwarzwaldhalle vor. Beim „Kempa-Trick“ wird der Ball in den Torraum geworfen, wo ihn ein Spieler im Flug fängt und ohne Bodenberührung ins Tor wirft. Noch heute gehört dieser Spielzug zu den absoluten Finessen im Handball.

Kempa war in den 50er-Jahren so etwas wie der Fritz Walter des Handballs. „Ich habe den Sport immer anders gesehen als viele andere, er hat mir immer Freude gemacht, darum hatte ich Erfolg“, sagt er. Der im Oberschlesischen geborene Weltklassespieler bestritt 31 Länderspiele, wurde 1952 und 1954 Feldhandball-Weltmeister, 1954 außerdem WM-Zweiter in der Halle und errang mit „Frisch Auf! Göppingen“ vier deutsche Titel. Als Trainer gewann der ehemalige Oberstudienrat mit dem gleichen Verein neun deutsche Meisterschaften und 1960 als erster deutscher Klub den Hallenhandball-Europapokal.

Jahrzehnte danach wurde Kempa aber auch zum Glücksfall eines kleinen schwäbischen Sportausrüsters. 2002 erlaubte er Uhlsport, seinen Namen für eine neue Handball-Marke zu nutzen. „Wir mussten nicht lange fragen“, sagt Uhlsport-Chef Thomas Keppler dem Handelsblatt. „Es ist mir eine Ehre, hier meinen Namen vermarktet zu bekommen“, sagte Kempa damals, und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Das Balinger Unternehmen ist Sportlern vor allem als Spezialisten für Torwarthandschuhe und Fußballausrüstung bekannt. „Der Einstieg in die Handball-Nische ist voll aufgegangen“, sagt Keppler.

Mit Kempa auf der Brust und an den Füßen gewann die deutsche Handball-Nationalmannschaft bereits die EM 2003 und ein Jahr später in Athen die olympische Silbermedaille. Bei der laufenden WM führt der Siegeszug bis unter die letzten vier. Weil die öffentlich-rechtlichen Sender zumindest die deutschen Spiele übertragen, hofft Uhlsport auf weitere Impulse. Stand Uhlsport 1998 noch vor dem Aus, so erholte es sich mit dem neuen Eigentümer Günter Daiss: Der Umsatz stieg vom Jahr 2000 bis heute von 30 auf 50 Millionen Euro. Großen Anteil daran hat das neue Handball-Geschäft. Die Schwaben schreiben mit ihrer Nischenpolitik schwarze Zahlen: ein Erfolg auf einem Markt, den die Giganten Nike und Adidas dominieren.

Bernhard Kempa wird sich das WM-Endspiel auf jeden Fall anschauen – mit oder ohne deutsche Beteiligung. „So eine Begeisterung gab es bisher nur beim Fußball, aber die haben wir jetzt eingeholt. Ich freue mich, dass ich das miterlebe“, sagt Kempa.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%