Handelsblatt-Expertenrunde
„Unser Standort leidet an fehlendem Selbstbewusstsein“

Deutsche Manager und ihre Firmen sind besser als ihr oft angeschlagener Ruf. Zu dieser Einschätzung kommen Experten in einer Gesprächsrunde des Handelsblatts. Lesen Sie, warum die Manager wirklich besser sind und warum die Politik lieber ihre Finger aus der Wirtschaft lassen sollte.

HB DÜSSELDORF. "In einigen Branchen, etwa Maschinen- und Anlagenbau oder Energieversorgung, zählen deutsche Unternehmen zur Weltspitze. Das liegt auch an der neuen Manager-Generation, die meist eine internationale Karriere durchlaufen hat und sich per se global orientiert", sagte Burkhard Schwenker, Chef der Unternehmensberatung Roland Berger.

"Das kann ich bestätigen", sagte Steven Koltes von der Investmentgesellschaft CVC Capital Partners. "Es gibt diese neue Generation. Wenn man vor zehn Jahren eine Konzerntochter kaufen wollte, waren die Manager bei weitem nicht so gut wie heute. Sie sind international ausgebildet, haben eine moderne Denke und sind keine Bürokraten." Neben diesen beiden Genannten nahmen auch Marcus Schenck und Juergen Donges am Handelsblatt-Expertengespräch teil.

Deutsche Unternehmen gelten nicht gerade als modern und flexibel. Ist dieses Bild richtig?
Koltes: Sie genießen einen sehr guten Ruf bei Ingenieurleistungen und Produktqualität, gelten aber als unmodern in der Frage des Finanzmanagements und der Wertorientierung. Sie werden als Mittelmaß eingestuft, was die Management-Qualitäten betrifft. Ob das den Realitäten entspricht, ist ein anderes Thema.

Was entspricht denn der Wirklichkeit?
Schenck: Wir sollten die Situation nicht schlechter machen, als sie ist. Die deutschen Firmen haben in den letzten Jahren viel erreicht. Man hat die Zukäufe der Boomphase integriert, die Kosten in den Griff bekommen. Und man hat die Bilanzstruktur so weit in Ordnung gebracht, dass nicht jeden dritten Tag die Ratingagentur vor der Tür steht.

Warum werden deutsche Firmen an der Börse dann immer noch mit Abschlag gehandelt?
Schenck: Ich glaube nicht, dass es einen generellen Abschlag gibt. Wir haben sehr formidable Firmen in Deutschland. Vieles wird schlecht geredet. Wir haben aber tatsächlich damit zu kämpfen, dass Teile der deutschen Governance kritisch gesehen werden, vor allem die unternehmensfremde Mitbestimmung.
Donges: Gesamtwirtschaftlich betrachtet, spüren die Finanzmärkte, dass hier viel Rhetorik über Reformen stattfindet, aber eine umfassende, in sich schlüssige Konzeption nicht erkennbar ist.

Haben wir in Deutschland ein Problem mit den Manager-Qualitäten?
Schwenker: Nein. In einigen Branchen, etwa Maschinen- und Anlagenbau oder Energieversorgung, zählen deutsche Unternehmen zur Weltspitze. Das liegt auch an der neuen Manager-Generation, die meist eine internationale Karriere durchlaufen hat und sich per se global orientiert. Koltes: Das kann ich bestätigen. Es gibt diese neue Generation. Wenn man vor zehn Jahren eine Konzerntochter kaufen wollte, waren die Manager bei weitem nicht so gut wie heute. Sie sind international ausgebildet, haben eine moderne Denke und sind keine Bürokraten.
Donges: Wobei ich beim Thema guter Ruf bei Ingenieurleistungen etwas klarstellen möchte. Zwar halten die deutschen Firmen bei ihren Ausgaben für Forschung international mit. Aber das Geld fließt vor allem in die Weiterentwicklung des Bewährten. Beim Thema Spitzentechnologie überlassen wir anderen die großen Würfe, vor allem den Amerikanern. Dabei könnte die deutsche Wirtschaft vom Potenzial her sehr wohl ganz vorne mitmachen.

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