Handelsblatt-Firmencheck
Schrumpfen für die Rendite

Wachsen, wachsen, wachsen: Diese Philosophie gehört bei Dax-Konzernen der Vergangenheit an. Sie setzten alles auf Rendite - und sind bereit, dafür zu schrumpfen. Eine Erfolgsstrategie, nicht nur bei der Telekom.
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DüsseldorfIn der nächsten Jahresbilanz der Deutschen Telekom dürfte unter der Rubrik "Umsatzentwicklung" ein dickes Minus stehen. Doch Vorstandschef René Obermann bekommt deswegen keine grauen Haare: Denn mit dem Verkauf der schwächelnden US-Mobilfunktochter verabschiedet er sich gerade freiwillig von einem Viertel seiner Erlöse.

Der Bonner Konzern nimmt es in Kauf zu schrumpfen, denn die Aktion dient einem höheren Ziel: Gewinne und Renditen steigern, um ein werthaltiges Wachstum zu erzielen. Die Aktionäre sind begeistert: In der Hoffnung, dass die Telekom nun endlich profitabler wirtschaftet, erhöhte sich der Börsenwert um mehr als fünf Milliarden Euro.

Das Beispiel Telekom zeigt: Wachsen um jeden Preis war gestern. Stattdessen zählen Gewinne und vor allem Rendite. Wenn es der Marge dient, sind die meisten Dax-Konzerne sogar bereit zu schrumpfen. Und diese Strategie macht sie äußerst erfolgreich: Die Umsatzrendite ist im vergangenen Jahr bei den 25 Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen im Dax auf das Rekordniveau von 5,4 Prozent gestiegen. Das ist mehr als doppelt so viel wie im Krisenjahr 2009.

Das hat der Handelsblatt-Firmencheck ergeben, der in Zusammenarbeit mit dem Centrum für Bilanzierung und Prüfung (CBP) und der Unternehmensberatung Oliver Wyman entsteht. "Aktionäre und die Kapitalmärkte bemessen Unternehmen immer stärker an ihren Gewinnen und ihrer Profitabilität, Umsätze und Cashflows hingegen rücken in den Hintergrund", sagt CBP-Direktor Karlheinz Küting. Und Oliver-Wyman-Berater Thomas Kautzsch hat beobachtet, dass die Unternehmen "heute eher als früher dazu bereit sind, unrentable Firmenanteile abzustoßen".

Ergebnis ist, dass Deutschlands Konzerne kaum noch wachsen: Während die Umsätze innerhalb eines Jahres durchschnittlich "nur" um 12,7 Prozent zulegten, explodierten die Nettogewinne regelrecht um 148 Prozent. Möglich machen dies immer größere Sparprogramme und effizientere Arbeitsabläufe. Überhaupt haben die großen Dax-Unternehmen 2010 mit 53 Milliarden Euro so viel verdient wie nie. Erstmals in der deutschen Firmengeschichte schrieben alle Konzerne im Leitindex schwarze Zahlen.

Prototyp für die Kehrtwende zu mehr Rendite und weniger Umsatz ist die Deutsche Post. Ihren Börsengang vor gut einem Jahrzehnt hatte der Ex-Monopolist mit einer beispiellosen internationalen Einkaufstour verknüpft und sich dabei vor allem in den USA in kostspielige Abenteuer gestürzt. Doch 2009 stieg Konzernchef Frank Appel aus den USA wieder aus, und 2010 verkaufte er die Postbank. Zudem trennte sich die Post vom unrentablen Expressgeschäft in Frankreich und Großbritannien. Das schmälerte zwar die Umsätze, steigerte aber die Marge - binnen eines Jahres von 0,6 auf den Rekordwert von 5,1 Prozent.

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  • Die DTAG geht mit unerlaubten Cold-Calls ehemalieg Kunden auf den Wecker. Haben bei mir 10 mal versucht anzurufen.
    Als ich dann drann war, hab ich denen gesagt, das ich sie anzeigen werde, wenn sie noch einmal anrufen. Da war Ruhe.

    Sauladen, der Tausende über den Tisch gezogen hat, kriminelle Vereinigung mit Konzernstatus. Bin schon lnage raus da.

    Es lebe die Bundespost wieder auf!!! Menschenwürdige Arbeistplätze (Für Klugsch...er : kann man auch ohne Beamtenstatus schaffen) und günstige Dienstleistungen.



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