Handelsblatt-Interview
„Besser, Ihr wärt nicht da"

Management-Autor Reinhard Sprenger über Manager mit der falschen Dauerbotschaft an die Belegschaft.

Herr Sprenger, die Belegschaften der Unternehmen erleben harte Zeiten nach den Entlassungen der vergangenen Jahre. Die Mitarbeiter kommen kaum gegen die Arbeit an, viele sind demotiviert. Was können die Führungskräfte jetzt tun?

Sprenger: In der letzten Zeit lautet die Dauerbotschaft von der Unternehmensspitze vielfach: „Wir brauchen Euch nicht. Eigentlich wäre es besser, Ihr wärt gar nicht da.“ Diese Aussage ist in ihrer Klarheit und Entschiedenheit neu. Und sie hat Konsequenzen für die Bindungswilligkeit der Menschen. Führung darf nicht glauben, sie besäße ein Zauberschwert, das die Wunden wieder heilt, die es schlägt. Und dass die Zeit alle Wunden heilt, wird im Regelfall überschätzt.

Kennt man das nicht, innere Kündigung, Demotivation?

Sprenger: Schon, aber die Krise greift tiefer. Das Vertrauen ist erodiert, wenn nicht gar oft zerstört. Die meisten Menschen wollen zunächst und vor allem „dazugehören“. Sie wollen „aufgenommen“ werden, sie wollen eine berufliche Heimat. Wenigstens eine Zeit lang. Diesen Menschen muss man ein Mindestmaß an Sicherheit und Verlässlichkeit entgegenbringen. Sonst sind sie niemals mit dem Herzen bei der Sache, sondern schielen fortwährend nach dem Notausgang. Dennoch gilt: Rein statistisch kündigen immer noch mehr Arbeitnehmer als gekündigt werden.

Personalberater werben schon damit, dass viele gute Leute jetzt wechselbereit sind.

Sprenger: Auch da darf man die Dinge nicht verwechseln: Menschen verlassen nicht schlecht geführte Unternehmen, sondern schlecht führende Vorgesetzte. Das Thema wird also vorrangig im Mikrobereich entschieden. Und da gibt es immer noch viele Führungskräfte, die unter schwierigen Bedingungen eine vertrauensvolle Arbeitsatmosphäre aufrecht erhalten. Aber der Ergebnishunger des Kapitalmarktes macht es ihnen nicht leicht. Was sie nicht aus der Verantwortung nimmt. Der Markt ist ja auch nicht schuld, wenn die Gewinne in den Himmel schießen. Das reklamieren Manager ja auch für sich. Man muss also kein bekennender Christ sein, um zu spüren: So sollte es nicht sein! Deshalb widern uns die Durchgeknallten, die Beiseite-Schieber und Maximalprofiteure an.

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