Handelsblatt macht Schule
Wie sich Kapital vermehrt

Der Karrierepreis der DZ Bank ist in der Kategorie Abschlussarbeiten mit dem Echo für den besten Nachwuchskünstler zu vergleichen: Es gibt nicht nur eine direkte Belohnung, auch die Karriereaussichten verbessern sich schlagartig. Der diesjährige Preisträger Maximilian Rödel gewann mit einem außergewöhnlichen Finanzierungsmodell.

Es war ein wenig wie bei der Oscar Verleihung. Maximilian Georg Rödel wusste zwar, dass er unter den ersten zehn Gewinnern des Karrierepreises der DZ Bank ist, doch die Sache blieb spannend – bis zuletzt. „Als die ersten neun Preisträger aufgerufen waren, wusste ich, dass ich gleich auf die Bühne muss.“ Etwas schlotternd in den Knien nahm der Diplomand dort den ersten Preis in der Kategorie „Master-Thesen und Diplomarbeiten von Universitäten und Fachhochschulen“ entgegen.

Der mit 24 000 Euro dotierte Karrierepreis wird für herausragende akademische Abschlussarbeiten verliehen und gilt im Bereich Banken und Finanzen als der höchstdotierte Hochschulpreis der deutschen Wirtschaft für akademische Abschlussarbeiten. Er wurde zum sechsten Mal in Kooperation mit dem Magazin „Karriere“ und dem „Handelsblatt“ ausgelobt. Bewertet werden die Originalität der Arbeit und ihre Relevanz für die Praxis.

Rödels Arbeit „Die Kapitalkosten des Unternehmers“, die er auf Englisch verfasst hat, wurde unter mehr als 100 Diplomarbeiten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgewählt. Auf die Auszeichnung musste der Absolvent des Studienganges technik- und managementorientierte Betriebswirtschaftslehre lange warten. Schon im Frühjahr 2006 hatte der heute 24jährige die Arbeit an der TU München abgeschlossen, ging dann ein Jahr nach China und arbeitet seit fast vier Wochen bei der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton in München. In seiner theoretischen Arbeit hat Rödel ein Kapitalkostenmodell für Unternehmer entwickelt, die „einen wesentlichen Anteil ihres Vermögens in dem Unternehmen gebunden haben.“ Um die geforderte Rendite zu berechnen, seien die üblichen Kapitalkostenmodelle wie das überwiegend angewandte Capital Asset Pricing Model (CAPM) und seine Nachfolger auf Familienunternehmen nicht anwendbar. In seiner Diplomarbeit hat er daher ein eigenes Kapitalkostenmodell für Entrepreneure entwickelt, in das er zum Beispiel neue Entwicklungen in der Nutzentheorie einbezogen hat. Zudem werden Risiken wie Streiks oder Produkthaftung miteinbezogen.

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Das Modell wird von zwei Fallstudien untermauert; Rödel hat es auf die Beteiligung der Familie Quandt in der Altana AG und bei BMW angewendet. Da kam ihm die mathematisch- und technischorientierte Ausrichtung des Studienganges zur Hilfe, das ähnlich wie ein Wirtschaftsingenieur-Studium aufgebaut ist. „Das mathematische Studium hat geholfen, die Fallstudie am Computer zu modellieren,“ so Rödel.

Den zweiten Hauptpreis in der Kategorie „Bachelorarbeiten und Diplomarbeiten von Berufsakademien“ erhielt der 24jährige Karl Werner von der Frankfurt School of Finance & Management für seine Arbeit „Effizienz und Profitabilität europäischer Banken – Wie wichtig ist operative Effizienz?“. Den zweiten und dritten Platz in der Kategorie „Master und Diplomarbeiten“ belegen Matthias Lutz und Johannes Ruf von der Uni Ulm. In der Kategorie „Bachelor“ erhält Christoph Czupalla den zweiten Preis. Erst beim dritten Platz dieser Kategorie wurden mit der Gemeinschaftsarbeit von Michaela Jost, Petra Kunz und Daniel Seibert auch zwei Frauen ausgezeichnet. Das Preisgeld ist für die Absolventen auch eine Bestätigung der wissenschaftlichen Arbeit. Maximilian Rödel: „Es ist eine gute Referenz, wenn ich mich für eine Promotion bewerbe.“ Jetzt ist er mit einer Beratungsfirma im Gespräch, um eventuell sein Modell für Familienunternehmen zu vermarkten. Wichtig ist es für ihn aber auch, einen wissenschaftlichen Diskurs anzustoßen, wenn seine Diplomarbeit veröffentlicht wird. Optionen gibt es für Maximilian Georg Rödel viele. Nur wie er sein Preisgeld investieren will, weiß er noch nicht. Aber vielleicht hilft ihm dann sein eigenes Kapitalkostenmodell weiter.

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