Handelsblatt-Ranking
Mayrhuber ist Deutschlands mächtigster Aufsichtsrat

Wolfgang Mayrhubers Wahl zum Lufthansa-Chefaufseher hat sich ausgezahlt. Im Handelsblatt-Ranking der wichtigsten Aufsichtsräte lässt er langjährige Spitzenreiter wie Cromme und Schneider hinter sich. Eine Frau rückt auf.
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DüsseldorfDer ehemalige Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Mayrhuber ist zum einflussreichsten Aufsichtsrat Deutschlands aufgestiegen. Er kontrolliert Lufthansa und Infineon als Vorsitzender und hat weitere Mandate bei Munich Re und BMW. Auf den weiteren Spitzenplätzen des jährlichen Handelsblatt-Rankings der wichtigsten Konzernkontrolleure folgen Ex-SAP-Chef Henning Kagermann (Munich Re, Deutsche Post, Deutsche Bank, BMW) und der frühere Bayer-Chef Werner Wenning. Wenning beaufsichtigt als Vorsitzender den Chemiekonzern Bayer sowie den größten Energieversorger Eon. Zudem sitzt er bei Siemens im Kontrollgremium. Auf Platz vier folgt Ulrich Lehner (Telekom, Thyssen-Krupp, Eon).

Mit Lehner und Mayrhuber sind ausgerechnet zwei Männer in der Spitzengruppe, die von in- und ausländischen Investoren scharf kritisiert werden. Diese Aktionäre fürchten eine mögliche Überlastung wegen zu vieler Aufsichtsratsmandate. Bei Mayrhuber kommt seine Vergangenheit als Lufthansa-Chef hinzu. Er soll für die heutigen Probleme der Airline mitverantwortlich sein.

Die beiden Aufsteiger haben die langjährigen Spitzenreiter Gerhard Cromme und Manfred Schneider verdrängt. Cromme musste als Aufsichtsratschef von Thyssen-Krupp zurücktreten, Schneider zieht sich aus Altersgründen schrittweise von seinen Aufsichtsratsposten zurück. Auch der mächtige Ex-Goldman-Sachs-Deutschlandchef Paul Achleitner wurde vom zweiten auf den fünften Platz verdrängt. Achleitner hat Mandate abgegeben und konzentriert sich jetzt auf seinen Vorsitz im Kontrollgremium der Deutschen Bank.

Dafür rückt seine Frau, die Wissenschaftlerin Ann-Kristin Achleitner, in die Riege der Top 30 des Rankings auf. Ann-Kristin Achleitner hat Mandate bei Linde, Munich Re und Metro und platziert sich damit auf Rang 15. Sie ist neben der Meinungsforscherin Renate Köcher (Infineon, Allianz, BMW) und der Unternehmerin Nicola Leibinger-Kammüller (Lufthansa, Siemens, Springer) die dritte Frau unter Deutschlands mächtigsten Aufsichtsräten. Insgesamt stieg der Anteil der weiblichen Aufsichtsrätinnen deutlich - das gilt vor allem für die führenden Dax-30-Konzerne. 35 Prozent der diesjährigen Neubesetzungen waren Frauen.

Trotzdem stieg die Frauenquote bei allen untersuchten 160 Unternehmen aus Dax, MDax, SDax und TecDax nur von neun auf 13 Prozent (im Dax von 13 auf 18 Prozent). Die CDU will gesetzlich ab dem Jahr 2020 einen Frauenanteil von mindestens 30 Prozent vorschreiben. Dieses Ziel ist kaum mehr zu erreichen. Denn nach dem diesjährigen Superwahljahr für Aufsichtsräte - es wurden 162 von 884 Posten neu besetzt - ist in den kommenden Jahren erst einmal wenig Bewegung angesagt. Aufsichtsräte werden in der Regel für fünf Jahre gewählt. Das politische Ziel wäre nur zu erreichen, wenn die Arbeitnehmervertreter besonders viele Frauen in die Aufsichtsräte entsendeten.

Das Handelsblatt-Ranking bewertet die Aufsichtsräte nach drei (Macht-) Faktoren: Reputation, Netzwerk und Status. Dabei werden nicht nur die Mandate gezählt, es kommt auch auf die Bedeutung der Unternehmen an, auf die Zahl der interessanten Kontakte (Netzwerk) und die Rolle innerhalb der einzelnen Gremien. Wer lange dabei ist oder viele wichtige Ausschüsse besetzt, erhält mehr Punkte als ein Newcomer.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent

Kommentare zu " Handelsblatt-Ranking: Mayrhuber ist Deutschlands mächtigster Aufsichtsrat"

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  • Liebes Handelslatt-Redationsteam, was soll der Ranking-Quatsch. Jetzt ergötzen auch sie sich schon an Vokabeln wie "Macht, wichtig, Einfluss, Spitzengruppe, Spitzenreiter." Wollen sie sagen, dass die "Deutschland AG" gut für uns ist, Hauptsache genügend Frauen sind an der Macht? Als Fockenbrock-Fan bin ich da andere (bessere) Töne gewohnt.
    Ein Aufsichtsrat muß nicht wichtig sein, sie/er muß nur einen guten Job machen, nämlich Kontrollieren. Schreiben Sie doch mal darüber, über welche Kontrollkompetenz einzelne der von Ihnen gepriesenen Aufsichtsräte verfügen und wo die sie erlangt haben. Ein Aufsichtsrat kann Manager, Wissenschaftler, Pfarrer, Hausfau sein, wenn sie/er über "unternhmerische Kontrollkompetenz" verfügt.
    Peter Dehnen, Vereinigung der Aufsichtsräte in Deutschland e.V. (VARD)

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