Handelsblatt-Serie
„Das sind ja Softpornos!“

Bei der Züricher Galeristin Eva Presenhuber kaufen prominente Kunstsammler wie Milliardär Friedrich Christian Flick. Doch die Dame ist schwer zu fassen. Eva Presenhuber sitzt häufiger im Flieger als am Schreibtisch. Ihre Kunden wissen den globalen Einsatz zu schätzen.

BERLIN. Die Dame ist schwer zu fassen. Ein Treffen fast unmöglich. Eva Presenhuber sitzt häufiger im Flieger als am Schreibtisch. Etwa fünf Monate im Jahr ist die Züricher Galeristin weltweit unterwegs. Sie reist von Messe zu Messe, zu den Vernissagen „ihrer“ Künstler nach London, Paris oder New York und zu Ausstellungen.

Doch dann gelingt ein Treffen in Berlin. Direkt vom Flughafen kommt die groß gewachsene 45-Jährige ins Café, in Dufflecoat und Jeans. „Einen Kaffee kann ich jetzt gut vertragen“, sagt die gebürtige Wienerin, die kein Akzent verrät, und zündet sich erst mal eine Gauloise an.

Es ist eine der vielen Zigaretten, die sie an diesem Tag rauchen wird bei ihrem zehnstündigen Marathon durch Galerien, Ateliers und Museen. Einem Marathon, das das Energiebündel zwei Tage zuvor in London durchgestanden hat und das sie in zwei Tagen bei der Messe Art Basel Miami absolvieren wird.

Ihre Kunden wissen den globalen Einsatz zu schätzen. „Ich kaufe seit Jahren bei Eva Presenhuber, weil sie immer wieder wichtige, junge Künstler entdeckt und fördert. Modische Eintagsfliegen fängt sie nicht ein“, lobt die Münchener Sammlerin Ingvild Goetz. Und Milliardär Friedrich Christian Flick, der mit seiner aktuellen Ausstellung „Fast nichts“ in Berlin für heftige Diskussionen sorgt, hat ganze Werkblöcke bei der Züricher Galeristin gekauft.

Dann drückt Presenhuber ihre Zigarette aus und startet die Tour. Sie fährt zu einer ihrer Partnergalerien. Esther Schipper vertritt im Auftrag Presenhubers in Deutschland so renommierte Künstler wie Ugo Rondinone, der für seine Videos und Großinstallationen bekannt ist. Im Gegenzug kümmert sich Presenhuber in Zürich um die kanadische Lichtkünstlerin Angela Bulloch, die von Schipper betreut wird.

Bei diesem Überkreuzgeschäft profitieren beide. Die Hauptgalerie kassiert 40 Prozent des Kaufpreises, die Partnergalerie nur zehn, der Künstler die Hälfte.

„Haben die Engländer dich auch um Geld angegangen?“ beginnt das Gespräch zwischen Presenhuber und Schipper. „Ja, ja“, kommt es zurück. Was heißt das? „In England und den USA ist es üblich, dass Museen die Galeristen als Sponsoren für Ausstellungen von deren Künstlern anwerben“, erläutert Presenhuber.

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