Handelsblatt-Serie: Familien-Bande
Leise Flötentöne

Nikolaus Ley ist seit Juni der Kopf der rheinischen Firmengruppe Werhahn, bekannt für Mehl ("Diamant") und Schneidwaren ("Zwilling"). Die Sippe gilt als höchst verschwiegen. Ley bricht mit den Traditionen.

NEUSS. Ja, noch eine leichte Drehung. So ist es gut. Jetzt lächeln." Der Fotograf gibt die Anweisungen nicht etwa einem langmähnigen Modell im knappen Etwas. Star des Fotoshootings ist ein Mittfünfziger mit spärlichem, grauem Haar und dunklem Zweiteiler. Und Kulisse ist keine Strandpromenade und kein Prachtboulevard - sondern eine graue Seitenstraße in Neuss.

Nikolaus Ley posiert vor der Zentrale von Werhahn. Der 55-Jährige mit der dünnrandigen Hornbrille ist seit Juni neuer Chef des Verwaltungsrats der rheinischen Firmengruppe. Dass sich ein Werhahn so ablichten lässt für die Zeitung, ist ungewöhnlich für die verschwiegene Sippe, die von ihren Oberen höchstens mal ein braves Gruppenfoto oder Brustbild veröffentlicht und auf Interviews verzichtet.

Aber Ley findet nichts dabei. "Ich war schon immer das Mädchen für besondere Probleme", sagt er, während ein schelmisch-spöttisches Lächeln um seine Mundwinkel spielt. Wieder zurück im Büro, entpuppt sich der knapp 1,80 große Mann als der Reformer im Hause Werhahn. "Unser alter Gesellschaftsvertrag hatte archaische Strukturen", erzählt Ley, nachdem er sein Jackett abgelegt hat.

Zwar ist das 1841 gegründete Familienunternehmen mit den drei großen Geschäftsbereichen Naturstein (Basalt AG), Mehl ("Diamant") und Schneidwaren ("Zwilling") sowie weiteren Sparten wie Ladenbau und ABC Leasing zu einer modernen, internationalen Firmengruppe mit 8 500 Mitarbeitern und 1,6 Milliarden Euro Umsatz aufgestiegen. Doch die Regeln des Gesellschaftervertrags stammten aus Urzeiten.

So halten sie fest, dass jeder der drei Familienstämme je ein Vorstandsmitglied bestimmen darf. Dieses Stammesdenken sorgt in vielen Unternehmen für Sprengstoff. "Es ist hoch gefährlich, wenn nur noch nach Verwandtschaft entschieden wird", weiß Professor Fritz B. Simon vom Institut für Familienunternehmen an der Privatuni Witten-Herdecke.

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