Handelsblatt-Serie: Familiensache
Vollendete Harmonie? Beinahe.

Die Tür geht auf. Ein großer Herr mit grauem, zurückgekämmtem Haar erscheint. „Hellmut Wempe, guten Tag, ich will nicht stören“. Dann fragt er höflich: „Darf ich Kaffee bringen lassen?“ Selbstverständlich – er darf. „Das ist lieb“, sagt Kim-Eva Wempe und strahlt. Und schon ist er wieder entschwunden.

HAMBURG. Eine Szene, zu schön, um wahr zu sein, wie bestellt für den Gast von der Zeitung. Vater und Tochter in vollendeter Harmonie. Klappt die Zusammenarbeit immer so zwischen der neuen Chefin und dem alten Chef des Hamburger Uhren- und Juwelierhauses Wempe? „Wir kriegen das verdammt gut hin“, sagt Kim-Eva Wempe, 41.

Die zierliche Frau in schwarzem Hosenanzug und weißer Bluse hat vor einem Jahr die Führung des traditionsreichen Unternehmens von ihrem Vater übernommen, der auf den Aufsichtsratsposten wechselte. Seitdem steuert sie die 25 Niederlassungen weltweit – 19 davon in Deutschland –, mit 478 Mitarbeitern und einem Umsatz von 173 Millionen Euro vom Hamburger Stammhaus aus.

Lange musste sie warten, bis sie der Vater an die Macht ließ. Erst 2003, als die Firma 125 wurde, war der Enkel des Firmengründers dazu bereit. Zu sehr hing der 72-Jährige an dem Betrieb, den er von einem kleinen Hamburger Anbieter zu einem internationalen Schmuckunternehmen gewandelt hat.

Für Kim-Eva Wempe eine harte Geduldsprobe. „Von meinem 32. bis zu meinem 40. Lebensjahr war die schwierigste Zeit für mich“, erzählt sie lebhaft, wobei ihre schmalen Hände mit einem zierlichen und einem breit besetzten Diamantring immer in Bewegung sind. Der Vater hatte sie zwar als persönlich haftende Gesellschafterin der Gerhard D. Wempe KG aufgenommen und ihr Aufgaben übertragen. Aber er behielt den Chefposten.

Da bleiben Spannungen zwischen Vater und Tochter nicht aus, die von Leuten, die sie gut kennen, beide als sehr emotional beschrieben werden. „Es gab drei Situationen, in denen es richtig gekracht hat“, redet die Tochter offen, wie es ihre Art ist. Zuletzt ging es um die Vorbereitung des Firmenjubiläums. Eigentlich sollte sie die Organisation steuern. Aber der Vater schaltete sich ein. Die Tochter behielt jedoch die Fäden in der Hand und führte das Jubiläum mit Uhrensondermodellen von Patek Philippe, Rolex und IWC zum Erfolg. Auch als sie es wagte, das Firmenlogo zu modernisieren, setzte sie sich durch.

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