Handelsblatt-Serie: Wirtschaftsanwälte
Der Gute-Laune-Sanierer

Michael Pluta führt seine Kanzlei, die auch BenQ betreut, wie ein Industrieunternehmen – und versprüht Optimismus in dem grauen Gewerbe der Insolvenzverwalter. Mit sichtlicher Freude spürt Pluta verloren geglaubtes Vermögen auf oder holt mit List und Tücke das Beste für die Gläubiger heraus.

ULM. Grau, findet Michael Pluta, ist eine gute Farbe. Hunderte Aktenordner mit hellgrauem Rücken zieren Büros und Flure. Pluta braucht davon so viele, dass er sie speziell anfertigen lässt, statt sie en gros im Bürohandel zu bestellen: Pluta-graue Ordner, findet Pluta, bilden den richtigen Kontrast zur farbigen Kleidung seiner Mitarbeiter und zu ihrem Lebensgefühl. Denn mit emsigem, aber grauem Bürovolk hat der 56-Jährige nichts im Sinn. Im Gegenteil: Seine Stellenannoncen fordern eine „positive Lebenseinstellung“ der Bewerber.

Das allein begründet natürlich nicht seinen Aufstieg zu einem der führenden Insolvenzverwalter in Deutschland mit mehr als 200 Mitarbeitern im In- und Ausland und so renommierten Fällen wie dem des zusammengebrochenen Handy-Herstellers BenQ.

Pluta geht auch ungewöhnliche Wege. Die Hälfte seiner Experten sind Kaufleute, keine Juristen. Und der Chef selbst sieht sich eher als Unternehmer denn als Anwalt. Folgerichtig firmiert sein Unternehmen als Gesellschaft mit beschränkter Haftung – und nicht als traditionelle Partnerschaft. „Ich sehe mich selbst als Firmenhändler“, sagt er in seinem Büro mit Blick auf das weltbekannte Ulmer Münster.

Das fordert Kritik heraus: „Plutas Geschäftsmodell macht betriebswirtschaftlich Sinn“, erkennt Hans Haarmeyer an, Ex-Insolvenzrichter und heute Professor an der Fachhochschule Koblenz. Er hält es aber für bedenklich, „weil die Massenabfertigung nicht im Sinne des Insolvenzrechts ist“.

Der studierte Jurist Pluta (mit Staatsexamen) und Betriebswirt (einige Semester) selbst macht keinen Hehl aus seiner Distanz zur Jurisprudenz. Die, so rügt er, trete nur als Bewahrer auf. Doch Dauer-Optimist Pluta vermag selbst diese Einschätzung ins Positive zu kehren: Zum Glück verändere sich vieles – trotz der Juristen.

Dass Pluta in die „Bundesliga“ der Insolvenzverwalter aufgestiegen ist, hat für Markus Lembeck vom Fachinformationsdienst Juve gute Gründe. Pluta betreibe seine Kanzlei wie ein Unternehmer, technisch innovativ (Insolvenzverwaltung per Internet) und mit strategischer Personal- und Führungsplanung.

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