Handelsblatt-Serie: Wirtschaftsanwälte
Immer richtig Vollgas!

Oleg de Lousanoff will stets ganz vorne dabei sein: auf der Kart-Bahn und bei internationalen Fusionen, die er als Spitzenanwalt der Großkanzlei Hengeler Mueller begleitet.

FRANKFURT. Die Streckenposten reißen an den Zugriemen. Einmal, zweimal. Dann starten die Viertaktmotoren mit einem ohrenbetäubenden Knattern. Hoch konzentriert sitzen die Fahrer in den engen Schalensitzen ihrer Karts und warten. Dann endlich: Die schwarz-rot-goldene Startflagge gibt das Signal. Alle Piloten rasen los. Vor der ersten Kurve kurz abbremsen und sofort wieder aufs Gas. Schon zieht der Wagen mit der Nummer eins am ersten Konkurrenten vorbei.

Oleg de Lousanoff, mit grauem Overall und rotem Sturzhelm, kämpft auf der Kart-Bahn im Städtchen Limburg bei Frankfurt um die Spitzenposition, wie so oft am Wochenende. Schon seit seiner Jugend will der groß gewachsene 54-Jährige mit dem jungenhaften Haarschnitt die Nummer eins sein bei den Rennen mit den flachen, lärmenden Flitzern, will „dazugehören zu den Besten.“

Deshalb kommen de Lousanoff, der zur Indoor-Kartbahn in voller Rennmontur mit dem Porsche anreist, solche Worte leicht über die Lippen: „Der Elitegedanke als Motivation – das ist etwas Tolles, das macht süchtig.“

Auch im Beruf. De Lousanoff ist Partner bei Hengeler Mueller, der wohl angesehensten und zugleich außergewöhnlichsten Sozietät unter den Wirtschaftskanzleien in Deutschland. Seine Spezialität: Übernahmen und Fusionen. Für keinen Geringeren als für den Düsseldorfer Energieriesen Eon arbeitete er an der Übernahme des spanischen Versorgers Endesa. Es lag wohl kaum an ihm, dass der Deal nicht so lief, wie es sich Eon-Chef Wulf Bernotat vorgestellt hatte.

„Wir sind in Deutschland seit Jahren bei den M&A-Deals ganz vorne. Und auch im europäischen Ausland ist der Name Hengeler eine Marke“, lobt de Lousanoff denn auch das eigene Haus. Es zählt zum Prinzip von Hengeler Mueller, nur die Besten aufzunehmen. „In bestimmten Phasen einer Transaktion muss man als Anwalt in der Lage sein, schnell und sicher eine Entscheidung zu treffen. Dazu braucht man Selbstbewusstsein“, argumentiert de Lousanoff. Für Zauderer sei da kein Platz.

Beinhart ist das Auswahlverfahren bei Hengeler, ebenso die Ausbildung. Ständig müssen sich Junganwälte in neue Themen einarbeiten. Für de Lousanoff selbst war das kein ernsthaftes Problem, er musste sich schon in seiner Kindheit ständig mit neuen Welten arrangieren. 1952 wird er in Frankfurt am Main geboren als Sohn einer aus Russland zunächst nach Frankreich emigrierten Familie.

In Oberursel macht er 1971 sein Abitur (Note 1,1). Nur noch ein anderer aus dem Abiturjahrgang der Schule hat seines Wissens eine eindrucksvollere Karriere hingelegt, sagt de Lousanoff mit einem Schmunzeln: Dieter Zetsche, heute Chef von Daimler-Chrysler.

Zu Hause bei den de Lousanoffs wurde Französisch gesprochen, der Vater bestand darauf. Hinzu kamen die russische Sprache und russische Einflüsse. Bis heute gehört de Lousanoff der russisch-othodoxen Konfession an. „Ich bin zwar keiner der ganz regelmäßigen Kirchgänger. Aber der russische Gott ist wichtig für mich, hat es bislang gut mit mir gemeint“, sagt de Lousanoff. Nur auf einem Gebiet, da konnte auch der russische Gott nichts richten: bei den Ehen des Spitzenanwalts. „Da war ich nicht so erfolgreich, das kann man durchaus kritisch sehen“, räumt er ein.

Mittlerweile hat der vierfache Vater die richtige Frau für sich gefunden. Ein Kosmopolit sei er, sagt de Lousanoff über sich selbst – aber einer mit ausgeprägtem Hang zu Frankreich. Erst 1994 gibt er seinen französischen Pass ab, gezwungenermaßen, weil er in Deutschland Notar werden will. Auch der Rote aus Frankreich, der Bordeaux, hat es ihm angetan. Über Jahre hat er sich einen eindrucksvollen Weinkeller auf gebaut. Wahrscheinlich ist es jener kosmopolitische Hintergrund, der ihn zu einem idealen M&A-Anwalt macht. Dass er jemals die Contenance verloren hat, daran kann sich in der Branche niemand erinnern. „Ihn kann kaum etwas überraschen. Und er denkt im Team, entscheidet aber, wenn es hart auf hart kommt, schnell und alleine“, beschreibt ihn einer seiner Kollegen bei einer anderen großen internationalen Sozietät.

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