Handelsblatt-Serie: Wirtschaftsanwälte
Multikulti in Marbella

Nach anfänglichen Schwierigkeiten stieg Annica Lindegren Schritt für Schritt die Karriereleiter rauf. Heute spielt die gebürtige Schwedin ganz oben mit: Als Top-Juristin der US-Kanzlei White & Case gehört sie zu den internationalen Stars und berät Banken bei der Übernahmefinanzierung. Und international ist auch ihr Privatleben.

MARBELLA. Unglaublich! Sie kann es nicht fassen. Sie hat ein 1a-Jura-Studium hingelegt und ein Jobangebot von der Top-Kanzlei Clifford Chance für London in der Tasche. Und nun wollen ihr die britischen Behörden die Arbeitserlaubnis verweigern.

Nicht mit mir, denkt sich Annica Lindegren und legt Einspruch ein. Einen Anwalt braucht sie nicht. „Ich schaffe das alleine“, sagt sie sich. Es sei unfair, dass sie als Schwedin in Großbritannien studieren, aber nicht arbeiten dürfe, argumentiert sie vor dem Gericht, das im Flughafen Heathrow residiert. Zwei Monate später erhält sie Post: die Arbeitserlaubnis.

Nach dem Sieg über das Empire im Jahr 1989 legt die energische, gebürtige Stockholmerin erst richtig los und steigt zur renommierten Expertin für Banken und Finanzrecht auf. Heute leitet die 45-Jährige mit einem Kollegen die Finanzpraxis der Riesenkanzlei White & Case in Frankfurt. In ihrem Spezialgebiet Übernahmefinanzierung arbeitet sie für erste Adressen von der Commerzbank bis zur Royal Bank of Scotland und für Private-Equity-Firmen, die viel diskutierten „Heuschrecken“.

Lindegren spielt ganz oben mit. Das Fachmagazin „Juve“ kürte White & Case im letzten Jahr zur „Kanzlei des Jahres“ im Bank- und Finanzrecht. Das britische Magazin „The Lawyer“ nahm Lindegren in die Liste der „International Stars“ auf.

International ist auch ihr Privatleben. Die zierliche Frau, die schon mit 17 Jahren als Aupairmädchen von Schweden in die USA geht und fünf Jahre bleibt, weil „in den USA Leistung anerkannt und gefördert wird“, wechselt später nach England und schließlich 1998 nach Frankfurt. Dort lebt sie aber nur während der Woche.

Ihr zweiter Lebensmittelpunkt liegt 2 000 Kilometer entfernt von der Mainmetropole, da, wo andere Urlaub machen: in Marbella. Die Wochenenden und gerne auch die Freitage verbringt die blonde, auch im Winter gebräunte Top-Anwältin an der andalusischen Mittelmeerküste. Dort lebt sie mit ihrem Mann, einem Neuseeländer, und ihrer zehnjährigen Tochter im Nobelvorort Puerto Banus.

An Marbella, dem Treffpunkt der Schönen und Reichen in Spanien, gefällt ihr vor allem das internationale Flair. „Hier sind Leute aus allen möglichen Ländern – das ist richtig schön multikulti“, erzählt Lindegren, leger in heller Hose und luftiger brauner Bluse gekleidet, in perfektem Englisch bei einem Glas Rotwein im Restaurant am Yachthafen von Puerto Banus.

Marbella hat für sie nicht nur den Vorteil, das hier Englisch die verbindende Sprache ist: Hier, an Spaniens Sonnenküste, kann Ehemann Joe seinem Beruf nachgehen kann – er organisiert Yachtausflüge. Segeln ist auch Lindegrens große Leidenschaft: Ihren Mann lernte sie bei einem Törn in Griechenland kennen.

Aber längst nicht immer hat sie in Puerto Banus Zeit, mit ihrem Mann in See zu stechen oder etwa zu golfen. Die Freitage in Marbella sind ohnehin normale Arbeitstage, dank Notebook und Internet. Und auch an den Wochenenden sind Handy und Blackberry ihre steten Begleiter. „Anwälte sind Dienstleister – und das heißt, der Kunde kommt an erster Stelle, an zweiter Stelle und an dritter Stelle“, beschreibt sie ihr Credo.

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