Handelsblatt-Umfrage
Die Chefetage ist für Berater tabu

Das Handelsblatt hat zum dritten Mal Unternehmen dazu beauftragt, ob und in welchem Maße sie sich externer Berater bedienen. Das Fazit: Obwohl die Berater ihre Preise gesenkt haben, erwägen viele der befragten Firmen, ständige Abteilungen im Haus dafür zu schaffen. Andere verfahren noch trickreicher.

HERZOGENAURACH. „Bei uns hat seit 13 Jahren keine Unternehmensberatung mehr Ihren Fuß über die Schwelle gesetzt“, betont Puma. Genauer gesagt, seit Jochen Zeitz damals den Vorstandsvorsitz übernahm. So ließ sich der Sportartikelhersteller gegenüber dem Handelsblatt bei der neuen Umfrage, wie zufrieden die Unternehmen mit ihren Beratern sind, ein. So wie Puma oder der Dax-Wert Continental – der durch die Schließung eines profitablen Werks ins Kreuzfeuer der Kritik geriet – hält es jedes dritte Unternehmen. Befragt wurden zum dritten Mal 1 500 große Unternehmen.

Die gute Nachricht für die Kunden: Die Berater haben ihre Preise um zehn Prozent verringert. Ihre Tagessätze sanken im Schnitt von 2 000 auf 1 800 Euro. Verlangte der Spitzenreiter – es sind wohl die Partner-Tagessätze der Top drei – im vergangenen Jahr noch 7 500 Euro Tagessatz, so sind es jetzt 6 000 Euro. Selbst wenn ein Kunde wie die Allianz Private Krankenversicherung Berater „nur in der Konzeptionsphase, also idealtypisch ein halbes Jahr“ lang im Hause hat, kommen je nach Teamgröße stolze Summen zusammen. Ein Trost: Es gibt Rabatt, antworteten immerhin 85 Prozent der befragten Unternehmen.

Berater gleich ganz abgeworben

Verständlich also, dass 38 Prozent der Firmen daran denken, eigene Inhouse-Beratung zu installieren. Lufthansa, Deutsche Post, Siemens oder Würth setzen darauf. Anders machen es Thomas Middelhoff bei Karstadt-Quelle oder Achim Egner bei Rewe, beobachtet Andreas Schüren, Chef bei Rölfs Partner Management Consultants: „Beide warben Berater bei Roland Berger beziehungsweise Boston Consulting ab, die bei Ihnen nun Führungsverantwortung tragen.“

Mit der Qualität der Berater sind die Unternehmen zufrieden: Sie bewerten ihre Leistung mit der Schulnote 2,2 (Vorjahr: 2,5). 82 Prozent sind auch mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis zufrieden (Vorjahr: 77 Prozent). Hierfür spricht auch die hohe Zahl von 78 Prozent, die ihre Berater immer wieder beauftragen. Die Firmen lobten: So schilderte ein Automobilunternehmen, dass es ohne Hilfe der Berater in ihrem „komplexen, unternehmenspolitischen Umfeld als GmbH im Großkonzern“ nicht gelungen wäre, die Restrukturierung so erfolgreich umzusetzen. Das bedeutet: Die Konzernmutter glaubt Externen mehr als den eigenen Führungskräften – getreu dem Motto „Der Prophet gilt im eigenen Lande nichts.“ Der wahre Grund für den Einsatz der Berater war also auch hier, die eigene Position und längst gefasste Entschlüsse nur mit Gutachten nachträglich abzusichern.

Manchmal machen sich Berater erstaunlich breit: Dauergast bei Daimler-Chrysler waren – bis vor kurzem – nicht weniger als 100 McKinsey-Berater. Geschätzte Kosten: Nicht unter 60 Millionen Euro. Bis Dieter Zetsche durchgriff und sich von der Beraterzunft distanzierte. Auch da, wo er vorher arbeitete, habe er keine Berater gebraucht. Seine Managerschelte: „Die eigentliche Entwicklung eines Unternehmens ist originäre Aufgabe des Managements.“ Zetsche kündigte alle langfristigen Beraterverträge und vergibt allenfalls noch Projektaufträge.

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