Handelsblatt-Untersuchung
Harte Hunde und treue Diener

Wirtschaftsbosse haben es nicht leicht: Die Medien schauen ihnen stets auf die Finger. Das Handelsblatt hat etwas genauer hingeguckt und untersucht, wie positiv oder negativ die Auftritte der einzelne Kapitäne wahrgenommen wurden. Dabei zeigte sich: Rampenlicht ist nicht immer ein Vorteil.

Martin Winterkorn konnte sich sonnen im ersten Quartal: Kaum trat er in Wolfsburg seinen neuen Posten als VW-Vorstandsvorsitzender an, gab es von der Presse kräftig Vorschusslorbeeren und Lob für seine Vergangenheit bei Audi. Man traut ihm viel zu: Dass er VW umkrempelt („Börsenzeitung“ ), „gegen die Heuschrecken verteidigt“ und Toyota als „profitabelsten Autohersteller der Welt“ übertrumpft („Süddeutsche Zeitung“). Das Handelsblatt sah gar eine „Ära Winterkorn“ mit dem „neuen starken Mann“ heraufziehen. 87 Prozent der Berichte über Winterkorn waren positiv, errechnete der Medienanalyst Landau Media in Berlin in Zusammenarbeit mit der Kommunikationsagentur Faktenkontor und dem Handelsblatt.

Im Ranking der Dax-Wirtschaftskapitäne, die von der Presse im ersten Quartal diesen Jahres den meisten Beifall bekamen, eroberte sich Winterkorn den ersten Platz. Die Untersuchung fand jetzt zum fünften Mal in Folge statt. Ausgewertet wurden die 21 wichtigsten deutschsprachigen Zeitungen und Magazine wie Handelsblatt, „FAZ“, „Süddeutsche Zeitung“, „FTD“, „Welt“, „NZZ“, „Wirtschaftswoche“, „Focus“, „Zeit“, „Spiegel“, „Capital“ oder „Manager Magazin“. Untersucht wurde zum einen, wie häufig der Name des Vorstandschefs im Zusammenhang mit seinem Unternehmen in der Presse erscheint. Darüber hinaus wurde die Tendenz, die Ausrichtung und die Tonalität des jeweiligen Presseberichts gewichtet.

Die Untersuchung weiter: Die einzige Negativ-Kritik an Winterkorn war, dass er in Wirklichkeit ein „verlängerter Arm“ von „Oberkontrolleur“ Ferdinand Piëch ist: Piëch sei ein „harter Hund“ schrieb die „taz“, „der heimliche Herrscher“ war er für „Focus“ und Winterkorn lediglich sein „treuer Diener“, verurteilte ihn die „Welt“.

Auf dem zweiten Platz der meist genannten Wirtschaftskapitäne stand im ersten Quartal Dieter Zetsche. 74 Prozent der Artikel über den Vorstandschef von Daimler-Chrysler fielen positiv bis neutral aus, hat er doch binnen zwei Jahren den deutschen Teil des Autokonzerns wieder auf Kurs gebracht. Das „Manager Magazin“ attestierte ihm, dass er den Konzern „knallhart, kühl und konsequent“ führt. Und dass Zetsche als einsamer Cowboy nicht mehr wie sein Vorgänger Jürgen Schrempp auf „mehrere erstklassige Autoexperten im Vorstand zurückgreifen kann, sondern nur noch auf einen bauen kann – auf sich selbst.“ Damals war der Verkauf von Chrysler noch Spekulation. Ob dieser Verkauf sein Image beeinflusst, wird sich erst bei der nächsten Quartals-Medienanalyse zeigen.

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