Hannes Ametsreiter
Auf besondere Empfehlung

Mobilfunk-Spezialist Hannes Ametsreiter übernimmt den Chefposten bei Telekom Austria

WIEN. Schon seit Wochenbeginn wurde er als klarer Favorit gehandelt: Hannes Ametsreiter. Nun wird er tatsächlich neuer Vorstandsvorsitzender von Telekom Austria. Der Aufsichtsrat des Wiener Konzerns hat die Berufung Ametsreiters gestern Nachmittag durchgewinkt. Er tritt zum 1. April die Nachfolge von Boris Nemsic an, der am Montag überraschend seinen Wechsel zum russischen Mobilfunkkonzern Vimpelcom ankündigte.

Nemsic hatte sich selbst für Ametsreiter stark gemacht. Der künftige Telekom-Austria-Chef ist einer der engsten Vertrauten des scheidenden Vorstandsvorsitzenden. Beide haben den strategischen Kurs des Konzerns maßgeblich bestimmt. Ametsreiter hatte erst zum Jahreswechsel den Chefposten in der Festnetzsparte übernommen.

Weil Ametsreiter und Nemsic ein eingespieltes Duo waren, sollte sich am strategischen Kurs des Wiener Konzerns in nächster Zeit nicht allzu viel ändern. „Ametsreiter wird in der Lage sein, dass bestehende Geschäft genauso zu leiten wie sein Vorgänger“, glaubt auch Frank Rothauge, Analyst für Telekommunikation beim Bankhaus Sal. Oppenheim in Frankfurt. Nach Bekanntwerden der Personalie legte die Aktie an der Wiener Börse um fast drei Prozent zu.

Unterschiede wird es trotzdem geben. Nemsic ist von Hause aus Techniker. Der 42-jährige Ametsreiter hingegen hat sich durch Erfolge im Marketing bei Telekom Austria empfohlen. Deshalb könnte es sein, dass Marketing noch mehr an Bedeutung gewinnt. „Die Ideen sind mir noch nie ausgegangen“, hat der gebürtige Salzburger über sich selbst im Gespräch mit dem Handelsblatt einmal gesagt.

Es könnte auch Unterschiede in der Osteuropa-Strategie geben. Nemsic ist Kroate und stammt ursprünglich aus Bosnien. „Er hat besonders gute Verbindungen nach Osteuropa“, lobt ihn Oppenheim-Analyst Rothauge. Und die gesamte osteuropäische Region war unter Nemsic die Region, wo das Unternehmen kräftig wuchs. So ist Telekom Austria in Kroatien, Bulgarien und Weißrussland stark im Mobilfunk. Marktbeobachter fürchten nun, dass Nemsic seine guten Drähte mit nach Russland zu Vimpelcom nehmen wird.

Andererseits hat Ametsreiter zu Hause genug andere Probleme. Die wirtschaftliche Entwicklung der Festnetz-Sparte bleibt unbefriedigend, Telekom Austria sitzt vor allem auf zu viel beamtetem Personal. Andererseits kann der Vorstand auch nicht völlig frei entscheiden – der Staat hält knapp 30 Prozent des Unternehmens, das mit 17 000 Mitarbeitern fünf Milliarden Euro umsetzt, und redet vor allem bei einem geplanten Personalabbau kräftig mit.

Außerdem muss Ametsreiter entscheiden, ob die vergleichsweise kleine Telekom Austria auf Dauer allein überleben kann.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%