Hannes Walter
Der Mann mit dem weißen Gold

Dass das Meissner Porzellan trotz der Krise in der Branche derzeit so gefragt ist, liegt nicht nur am aktuellen Weihnachtsgeschäft – sondern auch an Hannes Walter. Persönlich glänzender zu sein als sein „weißes Gold“, das kommt dem Chef des sächsischen Porzellanherstellers trotzdem nicht in den Sinn. Seine Zier heißt Bescheidenheit.

MEISSEN. Sie ist eine der wertvollsten Marken der Welt. Und nur ausgebildete Maler dürfen sie zeichnen: die zwei kobaltblauen gekreuzten Schwerter der Meissener Porzellanmanufaktur. Hannes Walter hat es noch nie versucht. Obwohl er seit 33 Jahren für die Firma in Meißen arbeitet. Als Chef des sächsischen Porzellanherstellers ist sein Talent ein anderes: „In diesem Jahr konnten wir die Exportquote von 42 auf rund 50 Prozent erhöhen“, sagt er und lässt dabei durchblicken, dass er so manche Erschütterung im Porzellanladen souverän überstanden hat.

Persönlich glänzender zu sein als sein „weißes Gold“, das kam Walter nie in den Sinn. Seine Zier heißt Bescheidenheit: der Anzug tadellos, aber unauffällig, die Begrüßung höflich, die Stimme sonor. Welch ein Unterschied zum schillernden Sachsen-König August dem Starken, der 1722 die Marke Meissen gründete. Dass es bei der Vorzeigemanufaktur trotz der Krise in der deutschen Porzellanbranche so gut wie schon lange nicht mehr läuft, liegt nicht nur am aktuellen Weihnachtsgeschäft, sondern gerade auch am gesteigerten Export. Vor allem nach Japan und Taiwan. „Da auch ausländische Touristen in deutschen Meissen-Filialen einkaufen, schätzen wir, dass mindestens 60 Prozent unserer Porzellane ins Ausland gehen“, glaubt Walter. Im vergangenen Jahr steigerte seine Manufaktur den Umsatz um zwei Millionen auf 37 Millionen Euro.

So schnell bringt den Mann nichts aus der Ruhe. 1943 in Böhmisch-Leipa geboren, hat er als Vertriebenenkind in Sachsen früh gelernt, immer ein Stück besser als die anderen zu sein. Nach dem Ingenieurstudium holte ihn sein Professor, der Chef der Meissener Porzellanmanufaktur, als Laborleiter nach Meißen. Kurz vor der Wende blieb der alte Boss im Westen. Walter übernahm den Betrieb. Seitdem teilt er sich den Job mit Dieter Gerhardt.

Walter bewegt sich mit seiner Manufaktur in einem schwierigen Markt. Er ist reich an traditionsreichen Manufakturen wie Fürstenberg, KPM Berlin, Nymphenburg und Ludwigsburg. Doch der Umsatz der deutschen Porzellanindustrie sinkt seit Jahren. Lag er 1999 noch bei 627 Millionen Euro, ist er zuletzt auf 493 Millionen Euro gefallen. Auch die Zahl der Beschäftigten ging von 30 000 auf 8 000 Mitarbeiter zurück. Das liegt zum einen daran, dass „die klassische Tischkultur an Bedeutung verliert“, meint Lutz Graser vom Verband der keramischen Industrie. Zum anderen überschwemmen chinesische Hersteller den deutschen Markt.

Auch Walter musste dem Tribut zollen. Die Belegschaft hat sich heute halbiert. Manche in Meißen nehmen ihm das noch immer krumm. Kritiker werfen Walter zudem vor, immer noch zu wenig aus der Marke zu machen. Der sieht das anders, das 180 000 Artikel starke Sortiment ließ er nicht nur mit neuen Produkten auffüllen, sondern auch um diverse Exklusivitäten ergänzen. So ließ sich Ferrari etwa zum 60. Geburtstag Porzellanhelme anfertigen. Bald soll die Manufaktur 40 Millionen Euro Umsatz machen, spätestens 2010 dürfte das gelingen. Allerdings ohne den aktuellen Chef. Der wird nächstes Jahr pensioniert.

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