Hannover-Finanz-Chef
Albrecht Hertz-Eichenrode - Der bescheidene Pionier

Wenn Albrecht Hertz-Eichenrode von seinem ersten Investment 1979 erzählt, kann er ein Grinsen nicht verbergen. „Das war ein Fast-Flop“, sagte der heute 65-Jährige. Und beschreibt, wie sich der Einstieg bei einem Hersteller von Magnetbändern als herbe Enttäuschung entpuppte. Statt Hightech blieb am Ende nur der Kampf ums Überleben. Doch das ist längst Vergangenheit, danach folgten mehr als 180 Beteiligungen – und fast alle waren erfolgreich.

FRANKFURT. Als typische „Heuschrecke“ gilt der Grandseigneur der Branche dennoch nicht. Eher als bodenständiger Investor.

Denn Moden machte Hertz-Eichenrode nie mit: Hohe Fremdverschuldung, kurze Haltefristen und astronomische Preise waren nie seine Welt. „Private Equity ist die Finanzierung über Eigenkapital, nicht über möglichst viele Kredite“, resümiert er trocken. „Darauf werden wir uns zurückbesinnen müssen.“ – Nach 30 Jahren Erfolg muss so ein Ratschlag an die Nachfolger erlaubt sein. Auch der Versuchung, immer größere Fonds aufzulegen, widerstand er. Gewinn machte er trotzdem: Die Rendite lag im Schnitt bei mehr als 15 Prozent.

Selbst Konkurrenten loben seinen Geschäftssinn: „Albrecht Hertz-Eichenrode hatte einen sehr guten Instinkt für lohnende Investments“, sagt Wilken von Hodenberg, Chef des Konkurrenten DBAG. Beteiligt hat sich das Urgestein der deutschen Private-Equity-Branche bei vielen, die in Deutschland Unternehmensgeschichte geschrieben haben: Dazu zählen die Drogeriekette Rossmann, der Hamburger Optiker Fielmann und der Telekom-Anbieter Mobilcom. Heute investiert die Hannover Finanz aus mehreren Töpfen im Gesamtvolumen von rund 300 Mio. Euro. Die Krise spürt die einstige HDI-Tochter, die seit 1993 praktisch unabhängig ist, zwar auch. Doch die Einschläge bei den Portfoliofirmen halten sich in Grenzen. 2008 konnte Hannover Finanz mit einem ordentlichen Gewinn abschließen – während große Konkurrenten reihenweise in die Verluste rutschten. Und mittlerweile sieht Hertz-Eichenrode, der in den Beirat wechselt, sogar wieder die Gelegenheit für Investments: „Wir prüfen das ein oder andere im Moment.“ Doch das Tagesgeschäft ist jetzt Sache seiner Nachfolger. Nur eines will er der Branche aus 30 Jahren Berufserfahrung ins Stammbuch schreiben: „Mehr Bescheidenheit wäre angebracht, im Auftreten wie im Handeln“, heißt es im Vorwort eines neuen Private-Equity-Buchs – ein weiser Ratschlag, für die eine oder andere Heuschrecke da draußen.

Kurzbiographie

1944: Albrecht Hertz-Eichenrode wird am 29. Mai in Kaiserdorf/Westpreußen geboren.

1966: VWL-Studium in Bonn

1967: B.A. am Iowa Wesleyan College in den USA

1968: Abschluss an der Genfer Hochschule für Internationale Studien

1969: Berufsstart als Berater bei A.T. Kearney

1975: Wechsel zur Minengesellschaft Bong Mining in Liberia

1979: Vorstand der Hannover Finanz

1987: Vorstandschef

1993: Gesellschafter

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%