Hannover-Rück-Chef Wilhelm Zeller
Der Deal mit dem Denkmal

Kurz vor der Rente noch ein Milliardengeschäft: Durch den Deal mit Scottish Re macht der Chef der Hannover-Rück, Wilhelm Zeller, in den USA einen "Quantensprung" - und auch die Risiken im eigenen Konzern werden minimiert. Die Vollendung eines umgreifenden Konzernumbaus.

FRANKFURT. "Nicht euphorisch werden", flüstert Finanzvorstand Elke König. Nur ihr Chef Wilhelm Zeller soll das hören. Doch sie zischt zu laut in der Analystenkonferenz der Hannover Rück. Pech, aber für Zeller kein Problem. Er schaltet sofort zurück.

Was die zehn Jahre jüngere Kollegin sagt, hat Gewicht für den alten Hasen. Er weiß, sie kann die Erwartungen der Investoren gut steuern. Und sich selbst kennt er ja zur Genüge: Kommt er in Fahrt, ist er schwer zu bremsen. Der 64 Jahre alte Versicherungsmanager liebt die klaren Worte - und das lieben andere an ihm.

Auf Fragen wie das abgelaufene Geschäftsjahr war, antwortet er schon mal mit "katastrophal". Der Altmeister der Rückversicherung hat sich mit Aktien verzockt. Deshalb muss er die Dividende streichen und vielleicht sogar einen Verlust ausweisen.

Doch gebrochen hat ihn das kurz vor der Rente nicht. Seine Standardpräsentation vor Analysten beginnt nun so: "2008: ein verlorenes Jahr." So lasen es am Montag 50 Investoren bei Cheuvreux in Frankfurt. Darunter stand dann: "2009: sieht (sehr) gut aus."

Seit Freitag kann er das Wörtchen "sehr" sogar aus der Klammer nehmen. Denn sein Denkmal steht: Ein Milliardendeal, an dem er ein halbes Jahr gearbeitet und den er seit Jahren versprochen hat. Es geht darum, einen der größten Rückversicherer sturmfester zu machen. Aus der Sicht eines Unternehmens, das von anderen Versicherungen Risiken übernimmt, bedeutet dies: Weniger Wirbelstürme und mehr Lebensversicherungen in den eigenen Büchern.

So gesehen ist das jüngste Geschäft mit Scottish Re ideal. Weil der Konkurrent Geld braucht, übernimmt Zeller ein Prämien-Portfolio von gut einer Milliarde. Dies hatte die niederländische ING 2004 an die Schotten verkauft.

Der Deal besitzt Charme: Erstens macht Zeller in den USA einen "Quantensprung", zweitens bringt das Geschäft sofort 30 Mio. Dollar Gewinn pro Jahr. Und drittens streut er die Risiken im eigenen Konzern besser. Mit einem Anteil von 47 Prozent erreicht das Geschäft mit Lebensversicherungen fast die gewünschte Parität zum Schaden- und Unfallgeschäft. Der Konzernumbau ist perfekt: Künftig ist die Hannover Rück nicht mehr so abhängig davon, ob die Herbststürme Teile Amerikas verwüsten.

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