Hans Christoph Atzpodien
Der Widerstandskämpfer von Thyssen-Krupp

Hans Christoph Atzpodien muss Deutschlands größte Werftengruppe sanieren, um endlich die hohen Verluste zu stoppen – einer der schwersten Jobs im Thyssen-Konzern. Jetzt erhält sein Plan einen Dämpfer.

FRANKFURT. Hans Christoph Atzpodien kann auch die leisen Töne anschlagen. Bei der feierlichen Übernahme der früheren Thyssen-Krupp-Werft Nobiskrug durch den arabischen Investor Abu Dhabi Mar parliert er freundlich mit Scheich Hamdan bin Zajed al-Nahjan. Und er warnt Journalisten beim Rundgang über die Werft davor, dass sie sich an einem Gerüst den Kopf stoßen könnten.

Der Chef von Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS) kann aber auch anders. Am Montag war wieder so ein Tag, da tagte der Aufsichtsrat von Deutschlands größter Werftengruppe. Auf der Tagesordnung stand nichts Geringeres als der Umbau der Thyssen-Krupp-Tochter. Das Geschäft mit zivilen Schiffen soll abgegeben werden, der Fokus künftig auf dem Bau von U-Booten und Kriegsschiffen liegen.

Mit dem Befreiungsschlag will Atzpodien TKMS neu ordnen und den hohen Verlusten ein Ende bereiten. Eigentlich wollte er den Umbau im heute auslaufenden Geschäftsjahr abschließen, damit er die Kosten für die Restrukturierung noch in der Berichtsperiode 2008/2009 verbuchen kann. Aber der Prozess kommt ins Stocken.

Auf der Sitzung am Montag, die bis tief in die Nacht dauerte, stellten sich neben den Vertretern der Arbeitnehmer auch einige Aufsichtsräte der Arbeitgeberbank gegen den Verkauf der Kieler HDW-Gaarden an die Rönner-Gruppe. Die Abstimmung musste von der Tagesordnung genommen werden. Atzpodiens Verkaufspläne wären sonst wohl abgelehnt worden. Ein Rückschlag für ihn. Der in Düren bei Aachen geborene Atzpodien will sich aber nicht aufhalten lassen, er will nun einen neuen Käufer für HDW-Gaarden finden.

Immerhin kann der promovierte Jurist einen Teilerfolg für sich verbuchen. Das Gremium stimmt dem Verkauf der Emdener TKMS-Tochter Nordseewerke zu. Künftig werden rund 700 Mitarbeiter für die Siag Schaaf Industrie Windkraftanlagen fertigen.

Unter Betriebsräten gilt Atzpodien als „harter Manager“, der die Konzernlinie durchdrücken muss, wie ein Arbeitnehmervertreter sagt. Dazu gehört es auch, Arbeitsplätze quer durch das Unternehmen abzubauen. Da der Verkauf von HDW-Gaarden zunächst gescheitert ist, muss er dort nun 180 Beschäftigten betriebsbedingt kündigen.

Der Mann mit der ruhigen Stimme muss sich jetzt auf eine weitere Auseinandersetzung mit den Arbeitnehmern einstellen. Bereits wenige Tage vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung empfingen ihn schon rund 2 000 Werftarbeiter vor den Toren der Hamburger Traditionswerft Blohm+Voss mit Trillerpfeifen und Buhrufen. Da beteuerte er noch, dass er gegen den Ausverkauf kämpfe.

Angesichts der wirtschaftlichen Probleme, die auf TKMS lasten, bleibt ihm dazu aber offenbar keine Alternative. Im Strudel der Rezession ist die Werfttochter mit ihren über 8 000 Beschäftigen in Deutschland, Schweden und Griechenland in eine Schieflage geraten. Für das heute endende Geschäftsjahr muss sich das Unternehmen auf einen Verlust in dreistelliger Millionenhöhe einstellen.

Eine schnelle Erholung ist nicht in Sicht. Neue Aufträge der Reedereien bleiben wegen der Überkapazitäten auf den Weltmeeren weg – und das wird wohl auch nach Erholung des globalen Schiffverkehrs so bleiben. „Deutschland ist als Produktionsstandort für standardisierte Frachter einfach zu teuer“, sagt ein Reedereibesitzer.

Die Flaute der zivilen Sparte verschärft sich noch einmal, weil Kunden Containerschiffe und Luxusjachten abbestellen.

Um ein stabiles Geschäft zu erreichen, will sich der kompakt gebaute Atzpodien nun auf den grauen Bereich konzentrieren, den Bau von Marineeinheiten. Vor allem bei den U-Booten nimmt TKMS schon heute eine weltweite Spitzenposition ein.

Aber auch hier läuft nicht alles rund. Mit Griechenlands Regierung streitet Thyssen über die Abnahme eines im Jahr 2006 gelieferten U-Bootes. Griechenland mahnt Qualitätsmängel an, was TKMS bestreitet. Atzpodien kündigte nun den Vertrag, weil Zahlungen von rund einer halben Milliarde Euro noch ausstehen.

Hans Christoph Atzpodien

1955 Er wird am 18. April in Düren geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Bonn promoviert er.

1982 Hans Christoph Atzpodien startet seine Karriere als juristischer Mitarbeiter der Otto Wolff AG in Köln und wechselt 1990 zur Thyssen Industrie AG.

1994 Er übernimmt im Auftrag von Thyssen Industrie die Geschäftsführung der Magnetschnellbahn-Planungsgesellschaft in Schwerin.

1997 Im Oktober wird er parallel zunächst Mitglied und ab Juli 1998 Sprecher der Geschäftsführung von Thyssen Transrapid System (heute: Thyssen-Krupp Transrapid) in Kassel.

2000 Im Juli steigt er in den Vorstand des Geschäftsbereichs Thyssen-Krupp Ingenieurbau auf. Seit dem 1. Oktober 2001 ist Atzpodien Mitglied im Vorstand der Thyssen-Krupp Technologies.

2007 Er übernimmt zusätzlich ab 15. März den Vorsitz des Vorstandes von Thyssen-Krupp Marine Systems.

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