Hans Fahr
Ex-Chef von IWKA geht in die Provinz

Hans Fahr soll für den Ansbacher Mittelständler Oechsler neue Geschäftsfelder aufbauen. Fahr wird Generalbevollmächtigter, ohne sich von seinen anderen Ämtern zu trennen. Ziel des Unternehmen ist es, kräftig zu wachsen und im Ausland stärker zu werden.

MÜNCHEN. Wenn Hans Fahr in diesen Tagen die Zeitung aufschlägt, dann stößt er wieder des öfteren auf jenen Mann, der ihn vor zweieinhalb Jahren beim Karlsruher Maschinenbauer IWKA den Job gekostet hat: Guy Wyser-Pratte. Derzeit macht sich der aggressive Investor daran, Tui-Chef Michael Frenzel vom Thron zu stoßen. Fahr hingegen kann die Angriffe des Amerikaners gelassen und aus der Distanz betrachten. Denn der Ingenieur hat seit gestern eine neue Aufgabe: Er soll künftig für den fränkischen Mittelständler Oechsler als Generalbevollmächtigter neue Geschäftsfelder aufbauen.

„Mit der ausgewiesenen Industrie-Expertise von Hans Fahr können wir den strategisch bedeutenden Bereich des Business-Development optimal verstärken“, sagte Claudius Kozlik, Vorstand des Kunststofftechnik-Anbieters aus Ansbach. Die Franken beliefern die Auto-, Medizin- und Kommunikationstechnik mit Kunststoffteilen und Baugruppen. Mit 1 400 Mitarbeitern erzielte das 1864 gegründete Unternehmen zuletzt einen Jahresumsatz von 150 Mill. Euro.

Fahr hatte die Karlsruher IWKA im Frühjahr 2005 nach einem lange andauernden Streit mit Wyser-Pratte verlassen. Der Amerikaner wollte den börsennotierten Konzern gegen den Willen des erfahrenen Vorstandschefs zerschlagen. Fahr war 1988 zur IWKA gekommen und seit 1996 Vorstandsvorsitzender. „Fahr wollte sich ein Königreich zusammenstellen und hat dabei ein Unternehmen geschaffen, das er selbst nicht versteht“, sagte Wyser-Pratte einmal über seinen Widersacher. Auf der Hauptversammlung warf er ihm Unfähigkeit, dann Größenwahn vor.

Nach seinem bitteren Abgang machte sich Fahr als Unternehmensberater für Mittelständler selbstständig. Zudem ist er seitdem Mitglied in Aufsichtsräten, unter anderem bei Vogt Electronic. Beobachter beschreiben den Manager als sachlich, ruhig und gelassen. Dabei gilt er als Unternehmer mit Leib und Seele, der das Geschäft im Blut hat: So besaßen die Eltern des 1949 in Singen geborenen Ingenieurs und Betriebswirts den Traktorhersteller Fahr in Gottmadingen am Bodensee.

Bei Oechsler wird Fahr nun Generalbevollmächtigter, ohne sich von seinen anderen Ämtern zu trennen. Ziel des Unternehmen ist es, kräftig zu wachsen und im Ausland stärker zu werden. So hat die Aktiengesellschaft in China einen Standort aufgebaut und ist seit vergangener Woche an einem Gemeinschaftsunternehmen in Rumänien beteiligt.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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