Hans-Gerd Höptner

Bei Teldafax schmeißt der nächste Chef hin

Teldafax meldet einen erneuten Wechsel an der Spitze: Der Sanierer Hans-Gerd Höptner, erst seit März im Amt, schmeißt hin. Und er hat offenbar gute Gründe.
Update: 25.05.2011 - 15:27 Uhr 9 Kommentare
Der Chef der TelDaFax Holding AG, Hans-Gerd Hoeptner. Quelle: dapd

Der Chef der TelDaFax Holding AG, Hans-Gerd Hoeptner.

(Foto: dapd)

TroisdorfDer Sanierer Hans-Gerd Höptner hat den Aufsichtsrat des Stromanbieters Teldafax gebeten, ihn von seinen Aufgaben als Vorstandschef zu entbinden. Der Aufsichtsrat kam dieser Bitte nach. Höptner, der erst vor zehn Wochen angetreten war, übergibt nun an den kaufmännischen Vorstand Gernot Koch in einer bis zum Äußersten angespannten Situation.

Allein in den vergangenen vier Monaten hat das Unternehmen zwischen 150.000 und 200.000 Kunden verloren, weil es seine Rechnungen bei den Netzbetreibern nicht mehr bezahlen konnte. Den Netzbetreibern gehören die Leitungen, durch die Teldafax Strom und Gas zu den Kunden führt. Noch Ende April sagte Höptner, es würden nicht mehr als 50.000 der 700.000 Kunden verloren gehen. Höptner war am Wochenende in Moskau, um mit seinem Investor Prime Mark über eine neue Finanzspritze zu verhandeln. Das Ergebnis ist unbekannt. Die Investoren haben seit 2010 bereits rund 100 Millionen Euro in Teldafax gesteckt.

Der neue Vorstandsvorsitzende Koch führte bisher das operative Geschäft. Das Versprechen von Höptner, die für die Krise verantwortlichen Personen bei Teldafax würden gehen, ist damit Makulatur. Koch war als Vorstand mitverantwortlich für ein Geschäftsmodell, bei dem Teldafax seinen Strom billiger verkaufte als einkaufte. Schon 2009 schrammte das Unternehmen nur knapp an der Insolvenz vorbei.

Teldafax betonte gestern, inzwischen liege ein Sanierungsgutachten vor. Nach Informationen des Handelsblatts wurde Höptner aber bereits beim Insolvenzgericht Bonn vorstellig. Ein möglicher Insolvenzverwalter steht in den Startlöchern.

Teldafax gerät immer mehr unter Druck

Der 69-jährige Höptner hatte Anfang März das Ruder bei Teldafax übernommen, um das Unternehmen aus der dramatischen Schieflage zu bringen und eine drohende Insolvenz abzuwenden. Seine Strategie: Neue Kunden werben - mit höheren Preisen. "Discounter-Tarife, die nicht kostendeckend sind, wird es von uns in Zukunft nicht mehr geben", kündigte Höptner damals an. Seither aber schrumpft Teldafax dramatisch.

Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

9 Kommentare zu "Hans-Gerd Höptner: Bei Teldafax schmeißt der nächste Chef hin"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wo erfahre ich wenn die Insolvenz von Deltafax amtlich wird um meine Anspüche an den Insolvenzverwalter zu stellen?
    Danke

  • Die Geltendmachung der Grundversorgungsmehrkosten dürfte nur interessant sein, wenn man in der glücklichen Lage ist, daß bei der Endabrechnung Forderungen seitens Teldafax entstehen, was aber nur bei gezahlten Monatsabschlägen der Fall sein könnte, wohl kaum aber bei vorausgezahlten Jahresbeträgen. Dann wäre das Geld wahrscheinlich sowieso verloren. Wie aber verhält es sich mit den vertraglich vereinbarten Boni nach Ablauf des ersten Vertragsjahres, in meinem Falle Neukundenbonus plus Onlinebonus von zusammen € 250.--, wenn das Jahr wegen Durchleitungssperre des Netzbetreibers noch nicht vollendet ist ? Ich meine, daß man diesen Betrag zumindest anteilig ebenfalls Teldafax von seiner Forderung in Abzug bringen müßte. Gibt es hierzu vielleicht eine Meinung ?

  • Liebe Reporter des Handelsblatt, passiert in der Welt so wenig, dass man immer nur von einem Unternehmen schreiben muss. Schon ein bisschen nervig, vor allem wenn immer wieder über die gleich Scheiße schreibt. Wann kommt den mal was neues? Naja wahrscheinlich kann sich das Handelsblatt nur noch mit solchen Artikeln über Wasser halten, wo in der heutigen Welt nur noch wenige Leute Zeitungen kaufen.

  • Geld zurück von Teldafax? Kein Problem!

    Sie fahren nach Troisdorf in die Mottmannstraße 2, sagen dort am Empfang, Sie kämen von den Stadtwerken xyz und hätten Herrn Dr. Höptner einen Scheck zu überbringen - bla, bla, bla, Ausgleichszahlung aus nicht in Anspruch genommenen Durchleitungsrechten oder so irgendwas, Hauptsache, die Tussi am Empfang fällt darauf rein.
    Sie holt dann einen Herrn des Vorstandes herbei, den verhaften Sie in der Empfangshalle und fordern Cash sofort. Lassen Sie sich nicht abspeisen oder vertrösten, treten Sie in Wildwest-Manier auf. Man holt dann eine Dame der Buchhaltung, die sofort das Geld in bar auszahlt. Kein Problem, nur eine etwas "heiße" Nummer.
    So gelaufen bei mir vor ein paar Tagen. Schadensersatzforderungen werde ich ggf. auf dieselbe Methode einklagen, inclusive der Fahrtkosten, Porto und Telefongebühren, die ich sinnlos mit Mahnungen verschwendet habe. Keinen Cent wird mir Teldafax schuldig bleiben!!
    Wenn Sie mehr wissen wollen: 06195 976210

  • wenn es doch nur so einfach wäre, durch abberufung möglicher persönlicher haftung wegen insolvenzverschleppung zu entgehen ...
    das reicht bis zu den mandatsträgern zurück, die das in der zeit waren als schmerzliche wege hätten gegangen werden müssen.
    deswegen schon beinahe bewundernswert oder tapfer, wie die sich gegen den untergang stemmen - oder gibt es niedere motive für diesen kampf?? die bilanzen sind bestimmt nicht einfacherer durchzuwinken, wenn massive kundenverluste zu berücksichtigen sind

  • Teldafax verschickt auch Mahnungen an ehemalige Kunden, die nicht mehr beliefert werden können und die deshalb den Vertrag gekündigt haben.

  • Nicht alles, was billig ist, ist auch gut. Die Versprechungen, die Teldafax seinen Kunden gegeben hat, konnte das Unternehmen nur halten, indem Teldafax offene Rechnungen für die Nutzung von Leitungen der örtlichen Lieferanten nicht mehr bezahlt hat. Dadurch werden nach wie vor tausende von Kunden in die Grundversorgung der örtlichen Netzbetreiber geschoben. Das hat mit Kundenservice nichts mehr zu tun. Die Insolvenz des Unternehmens ist nur noch eine Frage der Zeit.

  • Der Kapitän verlässt das sinkende Schiff...

    Wenn man schon als Teldafax-Kunde den Eindruck hat, dass bei dem Unternehmen nichts mehr geht, wie mag das wohl erst sein, wenn man als Chef hinter die Kuslissen der Chaos-Company schaut.

    Hr. Höptner macht aber sicher das Richtige, und springt kurz vor der Insolvenz ab. Das ist klug und ich hätte es genauso getan, dann dann macht man sich wenigstens nicht wegen Insolvenzverschleppung persönlich haftbar.

  • Gerhört der neue Teldafax-Boss Gernot Koch nicht zu "alten Garde", die das Fiasko zu verantworten hat? Das klingt alles sehr merkwürdig. Höptner war docjh jetzt angeblich in Moskau, um neue Finanzquellen zu erschließen. Was ist da rausgekommen und warum hört er jetzt auf? Komisch...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%