Hans Haider
Österreichische Lösung

Versorger versorgen. Mal mit Strom, mal mit Posten. Letzteres hat auch in Deutschland, wo die Stromkonzerne einst unter der Fuchtel der Städte und Länder standen, Tradition – und ebenso in Österreich. Dort hat nun der Aufsichtsrat des größten Stromkonzerns, des Verbunds, entschieden, dass der Vertrag von Generaldirektor Hans Haider nicht verlängert wird.

WIEN. Haider wird mit 65 Jahren, davon zwölf als Verbund-Chef, im kommenden Frühjahr in den Ruhestand gehen. Dafür zieht Ulrike Baumgartner-Gabitzer in den Vorstand ein, die 49-jährige frühere Kabinettschefin des noch amtierenden, aber eigentlich abgewählten Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel. Sie ist vom Januar an viertes Vorstandsmitglied im Konzern. Als Direktor wird Haider vom derzeitigen Finanzchef Michael Pistauer beerbt. Die Lösung funktioniert allerdings nur gut ein Jahr: Dann scheidet auch der Finanzchef aus, weil er das Rentenalter erreicht hat.

Was diese Taktik dem Konzern bringt? Schleierhaft. Die Reaktion der Investoren ließ deswegen nicht lange auf sich warten: Die Aktie sauste am Dienstag nach unten und das, obwohl der Bund mit 51 Prozent Mehrheitsaktionär beim Verbund ist. Aber so ist das eben in Österreich, wo die konservative Volkspartei des Kanzlers nach der Wahlniederlage vom 1. Oktober versucht zu retten, was zu retten ist. Das zählt mehr, als wenn einer erfolgreich ist wie Haider. Der Konzern hat am gleichen Tag, an dem die Personalentscheidung gefallen ist, auch seine Zahlen vorgelegt. Danach ist das operative Ergebnis in den ersten drei Quartalen um 63,7 Prozent auf 646 Millionen Euro gestiegen. Das Konzernergebnis liegt mit 410 Millionen Euro rund 49 Prozent über dem Vorjahr.

Im Laufe des Tages fing sich gestern der Kurs zwar wieder. Das aber dürfte weniger mit der versorgten Ex-Kabinettschefin zu tun haben, die sich bisher mehr mit beharrlicher parlamentarischer Arbeit am Tierschutzgesetz einen Namen gemacht hat. Vielmehr dürfte es an der Äußerung von Amir Ghoreishi liegen. Er ist Konzernstratege beim deutschen Versorger EnBW und ließ sich mit dem Satz zitieren: Mit großem Interesse beobachte EnBW den Verbund, an dem die Deutschen bereits indirekt beteiligt sind. So etwas versorgt zumindest die Investoren dann doch wieder mit Phantasie.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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