Hans-Jörg Grundmann
Der neue Schrecken der französischen Bahnindustrie

Die letzten Wochen waren für den Chef der Siemens-Bahnsparte ein Stück harte Arbeit. Doch das Ergebnis des Verhandlungsmarathons kann sich sehen lassen - und das obwohl viele die Mobility-Sparte noch vor zwei Jahren abgeschrieben hatten.
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MÜNCHEN. Nach dem großen Coup ging es für Hans-Jörg Grundmann erst einmal von London in seine Heimat in Mecklenburg. Einen der idyllischen Seen wollte der Chef der Siemens-Bahnsparte umrunden, um den Kopf ein wenig frei zu bekommen nach den harten Verhandlungen der vergangenen Wochen. "Es war ziemlich harte Arbeit", sagte der Manager dem Handelsblatt. Das Ergebnis, das Ende vergangener Woche in der britischen Hauptstadt verkündet wurde, ist allerdings spektakulär: Die neuen Hochgeschwindigkeitszüge durch den Eurotunnel sollen von Siemens kommen - und nicht wie bisher vom französischen Wettbewerber Alstom, der als Platzhirsch in der klaren Favoritenrolle war.

Vor einigen Jahren hatten viele die sogenannte Mobility-Sparte von Siemens schon abgeschrieben. Die Margen waren chronisch schwach, Pannen sorgten immer wieder für herbe Rückschläge. So bekam der Konzern die Probleme mit den fehlkonstruierten Combino-Straßenbahnen lange nicht in den Griff.

Noch trauen manche dem Braten nicht so recht, doch unter Grundmanns Führung liefert die Division seit mittlerweile rund zwei Jahren Quartal für Quartal ordentliche Ergebnisse. Die Sparte liegt stabil in den Margenkorridoren, die der Konzern vor einigen Jahren verordnet hatte. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres kam die Sparte so immerhin auf ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern von rund 400 Mio. Euro bei einem Umsatz von knapp 4,8 Mrd. Euro. Ein Sparkurs, neue Produkte wie der Velaro und die verstärkte Expansion in Wachstumsmärkten wie zum Beispiel Russland haben ihren Teil dazu beigetragen.

Ein hochemotionales Geschäft ist das mit Zügen allemal. Politisch sei es und habe viel mit den Menschen zu tun, umschreibt es Grundmann. So hat er - der ursprünglich kein Eisenbahn-Freak war - das Geschäft schätzen gelernt. Seine Karriere begonnen hatte er in Berlin beim Institut für Kosmosforschung. Bei Siemens war er unter anderem im Automatisierungs- und Logistikgeschäft sowie den industriellen Dienstleistungen aktiv, ehe er 2008 die Führung von Mobility übernahm. So ist Grundmann denn auch keiner, der eine Modelleisenbahn im Keller stehen hat. Der Originalzug, der im Londoner Hyde Park präsentiert wurde, ist ihm da schon lieber. "So eine große Eisenbahn hat sonst keiner."

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München

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