Hans-Jörg Vetter, LBBW
Die Bank, der Vorstand und das Geld

Der neue LBBW-Chef Hans-Jörg Vetter soll doch mehr verdienen als 500 000 Euro. Noch Mitte März hatte der Landtag diese Gehaltsobergrenze für Landesbanker beschlossen. Ministerpräsident Oettinger verteidigt den Verstoß gegen die Vereinbarung: Mit einer Gehaltsgrenze sei die Suche nach einem "neuen starken Mann" aussichtslos gewesen.

FRANKFURT. Er ist noch nicht einmal im Amt, schon gibt es Streit ums Geld: Der designierte Chef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Hans-Jörg Vetter, soll jetzt doch mehr verdienen als jene 500 000 Euro Gehalt, auf die sich die Politiker am 18. März im Landtag in Stuttgart geeinigt hatten. Kern der Regelung war, dass die Vorstände der größten Landesbank bei Verlusten des Instituts auf diese halbe Million Euro gedeckelt werden und Boni ganz wegfallen sollten. Bindend ist diese Vereinbarung aber nicht. Sie hätte Vetters Gehalt mehr als gedrittelt.

Im vergangenen Jahr verdiente der noch amtierende Vorstandschef der Landesbank Berlin rund 1,1 Mio. Euro Grundgehalt plus 650 000 Euro Bonus. „Und verschlechtern wird er sich sicher nicht“, hieß es aus Finanzkreisen. Damit käme er die LBBW deutlich teurer als Vorgänger Siegfried Jaschinski. Der brachte es laut Presseberichten auf rund 700 000 Euro Grundgehalt plus Bonus und soll knapp eine Million Euro verdient haben. Wie viel sein Nachfolger in Stuttgart verdienen wird, wollten weder Eigner noch Politik sagen.

Allerdings wäre es verwunderlich gewesen, hätte der gebürtige Schwabe Vetter den politischen Gehaltsdeckel bei der LBBW akzeptiert. Denn die Verluste des Instituts hat sein Vorgänger Jaschinski eingefahren. 2,1 Mrd. Euro Miese machte das Institut 2008, die Eigner mussten zudem weitere milliardenschwere Garantien für Risikopapiere des Instituts geben.

Nicht einmal die SPD-Opposition macht Vetter selber deshalb einen Vorwurf. Sauer sind die Sozialdemokraten auf Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU). Der hatte gestern auf einer Kabinettssitzung in Reutlingen Vetters Mehrverdienst angekündigt und beteuert, die Suche nach „einem neuen starken Mann“ wäre andernfalls „aussichtslos“ gewesen. Heute fordert die Opposition im Landtag Rechenschaft für den „Wortbruch gegenüber dem Parlament“ und „seine chaotische Personalpolitik“. Vetter kann sich das Gerangel um sein Gehalt vorerst aus der Ferne anschauen. Entgegen ursprünglichen Berichten wechselt er wohl erst Mitte Juni nach Stuttgart.

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