Hans-Peter Villis
Der Kompromiss-Kandidat

Eon-Manager Hans-Peter Villis wird neuer EnBW-Chef – und muss den Energiekonzern neu ausrichten. An die Gepflogenheiten bei seinem neuen Arbeitgeber muss er sich erst noch gewöhnen.

STUTTGART/DÜSSELDORF. Als der Eon-Manager vor einer Woche erstmals als neuer Chef der Energie Baden-Württemberg (EnBW) gehandelt wurde, ging er nicht wie die anderen genannten Kandidaten und in solchen Fragen ratsam auf Tauchstation, sondern bestätigte öffentlich erste Kontakte. Ein Vorstellungsgespräch bei der Electricité de France (EdF), einem der zwei Großaktionäre, hatte der 49-Jährige da zwar schon hinter sich.

Die nicht weniger wichtigen Termine beim zweiten Eigner, dem kommunalen Zweckverband Oberschwäbischer Elektrizitätswerke (OEW), und bei den Vertretern der Arbeitnehmerseite standen aber noch aus. Aufsichtsratschef Claus Dieter Hoffmann, der OEW-Verbandsvorsitzende Kurt Widmaier und die EdF hatten Mühe klarzustellen, dass noch keine Entscheidung getroffen ist.

Noch nicht im Amt, traf Villis unbeabsichtigt den neuralgischen Punkt der EnBW. Abstimmungsprozesse sind bei der EnBW nie einfach – und schon gar nicht in Personalfragen. EdF und OEW, beide mit 45 Prozent beteiligt, achten peinlichst genau auf die schwierige Machtbalance. Selbst die Landespolitik mischte sich noch in diesen Tagen ein und mahnte an, dass die Franzosen durch die Neubesetzung des Vorstands nicht die Oberhand gewinnen dürften.

Letztlich hat Villis aber alle Parteien überzeugt. Nur zwei Wochen nachdem der umstrittene Utz Claassen angekündigt hatte, seinen im kommenden Jahr auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern, bestimmte der Aufsichtsrat gestern den Kompromisskandidaten ab 1. Mai 2008 zum künftigen Vorstandsvorsitzenden. Der EnBW-Vertreter im Vorstand, Pierre Lederer, wird zum Stellvertreter ernannt und damit klar aufgewertet. Personalvorstand Bernhard Beck und Finanzchef Christian Holzherr erhalten neue Verträge. Damit verzichtet die EnBW auf eine Radikalkur. Claassen bleibt bis Vertragsende.

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