Hans-Peter Villis
EnBW-Chef spürt den Druck des neuen Eigentümers

Hans-Peter Villis war gestern in der Karlsruher Konzernzentrale zwar Gastgeber, aber nicht Herr im Haus. Artig, aber ohne große Begeisterung heißt der seit drei Jahren amtierende EnBW-Chef das Land Baden-Württemberg als neuen Großaktionär willkommen. Für Villis wird der Job dadurch nicht leichter.
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KARSLRUHE/DÜSSELDORF. "Wir sind gespannt, was der Ministerpräsident uns zu sagen hat", leitete der 52-jährige Chef des drittgrößten deutschen Versorgers nüchtern und etwas schmallippig den Auftritt von Stefan Mappus vor der EnBW-Belegschaft ein.

Die Bühne gehört seinem Gast - und Villis macht gute Miene zum neuen Spiel. Am Montag hatte das Land überraschend dem französischen Staatskonzern EDF ein Aktienpaket von 45,01 Prozent abgekauft. Jetzt erklärt der Regierungschef den Mitarbeitern, warum das Land eingestiegen ist und wie er sich dessen Rolle vorstellt. "Wir werden vielleicht zwei bis drei Jahre an Bord sein", sagt Mappus. Den Satz findet Villis gut, aber er weiß, dass das Land in der Zeit kein Kapital für große Sprünge bereitstellen kann. Villis lauscht Mappus aufmerksam, aber auch nachdenklich. Denn er hört Sätze, die ihn irritieren. So verspricht Mappus, sich verstärkt für die Sicherheit der Arbeitsplätze einzusetzen.

"Die Politik setzt den Rahmen, für die Ergebnisse sind wir verantwortlich", sagt Villis fast ein wenig trotzig. Klar ist aber, dass der EnBW-Chef jetzt einen neuen Eigentümer hat, der auf Arbeitnehmer und Stromkunden mehr Rücksicht nehmen muss. Und einen, der unter Umständen nach der Wahl im März 2011 mit anderen Personen besetzt sein wird. Das kann Villis nicht recht sein. Ebenso wenig, dass er wohl erst spät in den Kauf des Aktienpakets eingebunden wurde. "Ich habe gestern davon erfahren", räumt er ein.

So wird für Villis der Job nicht leichter. Schon die Franzosen waren in den vergangenen Monaten unzufrieden mit ihm. Er gab viel Geld für Beteiligungen wie dem Regionalversorger EWE aus, ohne dort entsprechenden Einfluss zu gewinnen. Manches war auch glücklos, wie das Engagement in Österreich. Als Mappus die Ausschüttung anspricht und sich auf die Dividende freut, traut sich Villis dann doch, süffisant reinzugrätschen: "Wenn es keine zweite Brennelementesteuer gibt." Für einen Augenblick hat er die Lacher auf seiner Seite.

Villis kann kämpfen und auf Erfahrungen im Clinch mit Politikern aus seiner Zeit bei Eon zurückgreifen. Es könnten sich mit dem neuen Eigentümer auch neue Chancen ergeben. "Das Spiel findet unter anderen Regeln statt", betont Villis. Er muss sich schnell darauf einstellen. Bis zur Landtagswahl ist sein Job wohl nicht in Gefahr, aber Villis steht unter Druck.

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  • Es kann nicht schaden, wenn auf Arbeitnehmer und Stromkunden mehr Rücksicht genommen wird!

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