Hans-Peter Villis folgt auf Utz Claassen
Machtpoker um EnBW-Spitze entschieden

Der Machtpoker um den Chefposten des Energieriesen Energie Baden-Württemberg (EnBW) ist beendet. Der Aufsichtsrat des drittgrößten deutschen Energieversorgers hat den Eon-Manager Hans-Peter Villis als Nachfolger von Vorstandschef Utz Claassen berufen. Auch das Amt des stellvertretenden Vorstandschefs hat der Aufsichtsrat neu besetzt.

HB STUTTGART/KARLSRUHE. Der derzeitige Eon-Manager Hans-Peter Villis wird vom Mai 2008 an den Energiekonzern mit Sitz in Karlsruhe führen. Dies beschloss der Aufsichtsrat der EnBW am Donnerstag in Stuttgart. Der 49-Jährige, der derzeit Finanzvorstand bei Eon Nordic in Schweden ist, wird Nachfolger von Utz Claassen. Dieser hatte vor gut zwei Wochen überraschend erklärt, nicht wieder antreten zu wollen.

Villis galt bereits seit der vergangenen Woche als aussichtreicher Kandidat auf dem Personalkarussell. Er soll von einem der beiden Großaktionäre, der Electricité de France (EdF), favorisiert worden sein. Die Franzosen halten ebenso wie der Kommunalverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW) jeweils 45,01 Prozent an der EnBW.

Der Wirtschaftswissenschaftler Villis ist derzeit als Finanzchef für die Kassen der skandinavischen Konzerntochter Eon Nordic im schwedischen Malmö verantwortlich. Eon Nordic ist innerhalb des Konzerns die Führungsgesellschaft für den nordeuropäischen Raum. Zuvor war Villis bis Ende 2002 Vorstandsmitglied beim nordrhein- westfälischen Gas- und Wasserversorger Gelsenwasser und bis 2006 Vorstandschef der Paderborner Eon Westfalen Weser AG, einem der größten deutschen Regionalversorger.

Zum stellvertretenden EnBW-Vorstandsvorsitzenden wurde in Stuttgart das einzige französische Vorstandsmitglied, Pierre Lederer, ernannt. Außerdem beschloss der Aufsichtsrat, die Verträge der Vorstandsmitglieder Christian Holzherr (Finanzen) und Bernhard Beck (Personal) zu verlängern. „Mit diesen Entscheidungen hat der Aufsichtsrat entscheidende personalpolitische Weichen für Kontinuität in der Führung einerseits und die kraftvolle Weiterentwicklung des Unternehmens hin zu erfolgreichem Wachstum andererseits gelegt“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Claus Dieter Hoffmann nach der Sitzung in Stuttgart. Villis sei eine „kompetente und erfahrene Persönlichkeit mit bester Branchenkenntnis“.

Die EnBW zählt nach eigenen Angaben derzeit rund sechs Millionen Kunden. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete der Konzern mit seinen etwa 21 000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von mehr als 13 Milliarden Euro.

Nach Medienberichten soll die EdF trotz der Bilanz des Konzerns zuletzt mit Claassens Arbeit nicht mehr zufrieden gewesen sein und darauf gedrungen habe, seinen Vertrag nicht über den Mai 2008 hinaus zu verlängern. Der Rückzug des bisherigen EnBW-Chefs soll demnach auch auf Betreiben der Mehrheitsaktionäre des Stromkonzerns zurückgehen. Claassen hatte dies stets dementiert und „strukturelle, professionelle, persönliche und familiäre Gründe“ als ausschlaggebend für seinen Rückzug benannt.

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