Hans Riegel
Einmal Goldbär, immer Goldbär

Auf die Frage, was aus Haribo ohne ihn werden soll, hatte Hans Riegel lange keine Antwort. Jetzt hat der Firmenchef seine Nachfolge geregelt. Damit dürfte die erfolgreichste Fruchtgummimarke der Welt vorerst gerettet sein. Aber so ganz loslassen kann der 87-jährige Patriarch immer noch nicht.
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DÜSSELDORF. Um sich modern zu präsentieren, holt Hans Riegel gerne sein iPhone aus der Innentasche seiner Lederweste und lässt sich per App die Gummibärchen in den Rachen purzeln. "Die machen garantiert nicht dick", kichert er dann. Nur die Telefonnummer, mit Tesa auf die Rückseite seines Telefons geklebt, verrät seine 87 Jahre.

Auf die Frage, was aus Haribo ohne ihn werden soll, hatte der Patriarch aber lange keine Antwort. Bis Montag.

Hans Riegel habe seine Nachfolge geregelt, hieß es da aus Bonn Kessenich. Ein schlichter Satz, der einschlug wie ein Gummigeschoss. Ein Satz, der viel verspricht - und doch das meiste beim Alten lässt. Denn der Patriarch bleibt vorerst an der Spitze.

Seine zwei Neffen, Hans-Guido Riegel, 44, den Unternehmenskenner als einen "stillen Macher" beschreiben, und Hans-Arndt Riegel, 42, bekommen nur mehr Macht. Der eine wird Vorsitzender in einer nun neu geschaffenen Haribo-Holding, der andere der Chef des dazugehörigen Aufsichtsrats.

Mit dieser Reglung hat der Senior wieder für klare Verhältnisse gesorgt. Denn sowohl er als auch die vier Kinder seines im vergangenen Sommer verstorbenen Bruders Paul halten je 50 Prozent der Anteile. Damit dürfte vorerst gerettet sein, was vor allem Hans Riegel über Jahrzehnte aufgebaut hat: die erfolgreichste Fruchtgummimarke der Welt.

Mit Mut, Chuzpe, einem untrüglichen Sinn für jedes noch so schiefe Geschäft und gesegnet mit einem, wie es im Bonner Werk heißt, "Kindergaumen" hat sich Hans Riegel an die Spitze gekämpft. Er hat Milliarden mit den bunten Bärchen und anderen Kreationen eingenommen, Generationen von Kindern froh gemacht und Erwachsene natürlich ebenso.

Riegel hat dabei als knallharter Unternehmer gehandelt und sich doch die Leichtigkeit eines Fünftklässlers bewahrt. Die besten Ideen hatte er nie am Schreibtisch, sondern beim Zocken mit der Playstation oder Durchblättern der "Bravo". Bei ihm vereinen sich unternehmerisches Ausnahmetalent mit Abenteuerlust: Frauen, schnelle Autos, die Jagd und das Fliegen gehören zu ihm wie die Colorado Mischung ins Supermarktregal.

Schon seit Jahren hätte er den Triumph über das Alter genießen und das Zepter übergeben können, denn auch mit annähernd neun Jahrzehnten auf dem Buckel nimmt Riegel sein Leben und Treppenstufen mit einer Geschwindigkeit, die ein Drittel so alte Zeitgenossen nur mit Schnaufen bewältigen. Die Anfang des Jahrzehnts angedachte Übergabe an den ältesten Sohn seines Bruders Hans-Jürgen Riegel zerschlug sich. Dieser schied 2006 aus dem Familienunternehmen aus.

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