Hans Vestberg
Ballkünstler mit Visionen

Hans Vestberg übernimmt die Leitung von Ericsson. Kein Grund zur Nervosität, findet er. Und das, obwohl sein Managerjob der wohl begehrteste ganz Schwedens ist.

STOCKHOLM. Irgendwie komisch: Da bekommt Hans Vestberg den wohl begehrtesten Managerjob in Schweden – und der Mann hat was ganz anderes im Sinn: „Das wird nächstes Jahr spannend, wenn Schweden bei der Handball-Europameisterschaft in Österreich auf Deutschland trifft“, sagte er gestern dem Handelsblatt. Er lebt für den kleinen Lederball, hat jahrelang auf Topniveau in seinem Heimatland gespielt, ist heute im Vorstand des schwedischen Handballverbandes. Und nun? „Nun übernehme ich die Leitung von Ericsson“, erklärt er ruhig, als hätte er gerade einen Siebenmeter zugesprochen bekommen. Nervosität ist ein Fremdwort fürihn. Der 44-Jährige weiß, was er will, in Freizeit wie im Job. Und da kennt er den weltgrößten Netzausrüster wie kaum ein anderer.

Der Ökonom kam direkt nach seinem Studium in der altehrwürdigen Universitätsstadt Uppsala zu Ericsson. Und dort ist er nach diversen Stationen als Finanzchef in Brasilien, Mexiko, China, Chile und Nordamerika noch immer. Zunächst bestand seine Aufgabe in der Kontrolle von Reiseabrechnungen. Heute sind es ganz andere Dimensionen, in denen er sich zurechtfinden muss. Im Herbst 2007 wurde er Finanzchef des Gesamtkonzerns, nachdem sein Vorgänger für zwei völlig überraschende Gewinnwarnungen verantwortlich gemacht worden war.

Wenn er am 1. Januar kommenden Jahres die Leitung von Ericsson übernimmt, werde sich „nicht viel“ verändern, sagt er. Er habe mit dem bisherigen Ericsson-Boss Carl-Henric Svanberg seit vielen Jahren eng zusammengearbeitet. „Und in den meisten Dingen waren wir absolut einer Meinung.“

Der zweifache Vater gilt auch bei externen Experten als perfekte Wahl für den Topjob. „Vestberg ist bodenständig und visionär zugleich. Das passt“, sagt ein Analyst. Tatsächlich genießt der sportbegeisterte Vestberg auch bei den Mitarbeitern größtes Vertrauen. Seinem Vorgänger Svanberg haben große Teile der Belegschaft bis heute nicht die radikale Sanierungskur verziehen, in deren Folge zeitweise fast die Hälfte aller Mitarbeiter den Job verlor.

„Vestberg kann besser kommunizieren, ist einfach offener“, urteilt ein Gewerkschafter. Nebenbei weiß der drahtige Leistungssportler mit der pflegeleichten Kurzhaarfrisur, wo es langgehen muss. „Die Krise um uns herum trifft uns“, sagt er ruhig, sieht aber den Weltmarktführer gut gerüstet. „Wir werden den Servicebereich weiter ausbauen und noch stärker auf mobiles Breitband setzen.“ Auch die stärkere Zusammenführung von Fest- und Mobilfunknetzen steht auf seiner Agenda.

Noch hat er ein wenig Zeit, sich auf den Topjob in Schwedens wohl bekanntestem Konzern vorzubereiten. „Handball ist mein Leben“, hat er einmal gesagt. Jetzt muss er beweisen, dass er nicht nur ballsicher, sondern auch treffsicher bei Prognosen und Visionen ist.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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