Hapag-Lloyd-Chef Michael Behrendt
Jogging für das Flottenreich

Das Schild ist kaum zu übersehen. Jeden Morgen, wenn Michael Behrendt die bahnhofsartig und steril wirkende Eingangshalle von Hapag-Lloyd am Hamburger Ballindamm betritt, fallen ihm die markigen Worte ins Auge. Protzig hängt dort in Marmor gemeißelt das Motto des Firmengründers Albert Ballin: „Mein Feld ist die Welt.“

HB HAMBURG. Der Slogan wird für den 54-jährigen Vorstandschef der Tui-Tochter Hapag-Lloyd überraschend zur Realität. Denn mit der milliardenschweren Übernahme des kanadisch-britischen Konkurrenten CP Ships steigt der traditionsreiche, 1847 gegründete Konzern in die Weltliga der internationalen Containerschifffahrt auf. Auf einen Schlag wird Behrendt Herr über ein global umspannendes Flottenreich von 140 Schiffen und knapp 9000 Mitarbeitern. Erstmals fasst der Hapag–Lloyd-Chef, der sich bislang auf die Seewege zwischen Amerika und Europa konzentriert hat, auch im boomenden Asienverkehr Fuß.

Der pausbackig wirkende Manager mit dem leicht ergrautem Haar ist für die Übernahme gut gerüstet: Auf Druck des Mutterkonzerns Tui hat er den Hamburger Konzern entschlackt. Konsequent richtete der Sohn eines Spediteurs Hapag-Lloyd auf die Container- und Kreuzfahrtschifffahrt aus. Randbereiche wie die Güterverkehrstochter VTG Lehnkering wurden abgestoßen.

Damit machte er das Unternehmen vor mehr als einem Jahr fit für die Börse, um mit dem millionenschweren Emissionserlös die Schulden des Touristikriesen Tui abzubauen. Doch im Herbst vergangenen Jahres machte ihm der Tui-Vorstandschef Michael Frenzel einen Strich durch die Rechnung: Überraschend blies Frenzel den Börsengang ab.

Enttäuscht und überarbeitet von den Vorbereitungen für die Aktienplatzierung zog sich der gebürtige Hamburger zurück, konzentrierte sich voll und ganz auf das Tagesgeschäft und ließ sich in der Öffentlichkeit kaum noch blicken.

Nun kommt dem Hapag-Lloyd-Chef der mühevolle Umbau des Reedereikonzerns für die Übernahme des britische Konkurrenten zugute. Denn die Reederei erwirtschaftete im vergangenen Jahr ein Rekordergebnis von knapp 300 Millionen Euro – genug Gewinn, damit Behrendt trotz der Übernahme von CP Ships am geplanten Flottenausbau festhalten kann. Er will in den kommenden drei Jahren acht neue Containerschiffe bestellen. Geschätzte Kosten: über 800 Millionen Dollar.

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