Hapah Lloyd
Klaus-Michael Kühne: Der Quertreiber

Klaus-Michael Kühne kämpft um Hapag-Lloyd. Dabei wird er immer mehr zur schillernden Figur. Obwohl er mit Sicherheit nicht die entscheidende Rolle spielt, bemüht er sich darum, höchste Aufmerksamkeit zu erregen. Erste Anzeichen einer beginnenden Altersstarrheit?

DÜSSELDORF. Was ist es, was diesen Mann bewegt: Patriotismus oder Profitstreben? Renditedenken oder Rechthaberei? Oder sollte es bei dem 72-jährigen Firmenpatriarchen Anzeichen eines beginnenden Altersstarrsinns geben? So oder so: In dem anhaltenden Drama um die Zukunft der in Not geratenen Containerschiffs-Reederei Hapag-Lloyd spielt Klaus-Michael Kühne nicht die entscheidende Rolle. Aber er hat mit Sicherheit die mit dem höchsten Aufmerksamkeitswert.

Mehr noch: Der hochgewachsene gebürtige Hamburger mit dem eisgrauen, stets eher überkorrekt gescheitelten Haar, der sich und seine Welt-umfahrende Logistikfirma Kühne & Nagel steuergünstig am Zürichsee untergebracht hat, ist zu einer schillernden Figur geworden. Erst gestern warf er erneut mühelos einen ehernen Grundsatz hanseatischen Kaufmannsgeistes über Bord - das eiserne Gesetz, in schlechten Zeiten am besten in der Öffentlichkeit zu schweigen. Nicht so Kühne. In einer Telefonkonferenz erläuterte er Journalisten gestern ausgiebig, warum - nach seiner Meinung - die stolze Hapag-Lloyd ohne milliardenschwere Hilfen zum Fall für den Insolvenzrichter zu werden droht.

"Klau-Mi", wie er in der Firmenzentrale genannt werden soll, feuerte Breitseiten auf den Verkäufer Tui ab und forderte aus Hannover erhebliche finanzielle Zugeständnisse. Zudem sah er schwere Versäumnisse beim Hapag-Management in der Krisenbewältigung - weil seine Empfehlungen entweder nicht oder viel zu spät angenommen wurden. Seine 15-Prozent-Beteiligung an der Reederei will er gleichwohl nicht aufgeben. Auch frisches Geld gibt es von ihm nicht: Kühne beteiligt sich nicht an der Rettungsaktion, in der die Eigentümer der angeschlagenen Reederei kurzfristig 330 Mio. Euro zur Verfügung stellen. Mit 215 Mio. Euro trägt Tui die Hauptlast.

Vor knapp einem Jahr war Kühne der Mann, der sich aufstellte gegen den Ausverkauf deutscher Interessen. Als der Touristikkonzern Tui sich anschickte, die hundertprozentige Tochter Hapag-Lloyd - fünftgrößte Reederei der Welt - zu verkaufen, da propagierte der Wahl-Schweizer die deutsche Lösung am Standort Hamburg.

Sein Verdienst: Er stellte damit die Weichen für den Aufbau des Konsortiums Albert Ballin, dem heute 57 Prozent der Hapag gehören. Der Rest aber musste mangels weiterer Interessenten bei Tui bleiben. Der Reisekonzern sprang auch ein, als Kühne, schon als Vater der "Hamburger Lösung" gefeiert, seinen Anteil vor Vertragsschluss noch schnell von 25 auf 15 Prozent reduzierte.

Seitdem nervt Kühne die Hapag-Eigentümer. Immer wieder trägt er Sanierungs-Ideen in die Öffentlichkeit statt in die Gesellschafterkreise, redet das Unternehmen schlecht und fast schon in die Pleite. Auch gestern am Telefon ein Rund-um-Schlag: Sanierung transparenter machen, Abhängigkeit von der Tui verringern. Vorschläge? Fehlanzeige: Die könne man ja nicht öffentlich machen.

Und dann das: Auch eine Reederei-Fusion sei ein Thema. Selbstverständlich müsse der Sitz in Hamburg bleiben. "Natürlich", so schränkte er ein, "ist das zunächst Wunschdenken."

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