Harry Roels
Streicheleinheiten für scheidenden RWE-Chef

Bei seinem letzten Auftritt vor den Aktionären des Essener Energiekonzerns RWE konnte sich der scheidende Konzernchef Harry Roels am Mittwoch vor Zuspruch kaum retten. Allem Zuspruch zum Trotz muss der zurückhaltende Niederländer seinen Posten Räumen.

HB ESSEN. „Wir sind Ihnen zu Dank verpflichtet“, rief der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler, dem Mann auf dem Podium zu. „Warum haben Sie Herrn Roels als Retter und Aufräumer geholt und jetzt degradieren Sie ihn zum fliegenden Holländer?“, fragte er RWE-Aufsichtsratschef Thomas Fischer.

Angesichts des Konzernergebnisses mit einem Anstieg des Nettogewinns um 72 Prozent auf 3,8 Mrd. Euro und einer Verdoppelung der Dividende auf 3,50 Euro je Aktie fand Harald Petersen von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanlager nur einen Punkt zur Klage: „Der einzige Wermutstropfen ist, dass Harry Roels gehen muss“, stellte er enttäuscht fest. Andere Aktionärssprecher übten dagegen heftige Kritik an der Politik des Konzerns, dem sie unter anderem Versäumnisse in der klimapolitischen Diskussion vorwarfen.

Noch bis vor nicht allzu langer Zeit war die vorsichtige Strategie des zweitgrößten deutschen Energiekonzerns, der unter der Regie von Roels auf riskante Akquisitionsvorhaben verzichtet hatte, nicht immer unumstritten gewesen. Bei der Essener Hauptversammlung war Roels nun der Beifall für seine defensive Strategie sicher. „Sie haben den Fluch von uns genommen, dass wir immer bereut haben, anstatt von RWE nicht besser Eon-Aktien im Depot zu haben“, sagte Tüngler unter Anspielung auf die Expansions-Strategie des Düsseldorfer Konkurrenten.

Der so gelobte Konzernchef blieb auch angesichts der Diskussion um seine Person bei seinem nüchternen Kurs: „In den kommenden Monaten gibt es viel zu tun. Darauf werde ich mich voll und ganz konzentrieren“, betonte er lediglich. Erst vor wenigen Wochen hatte der Aufsichtsrat des Konzerns eine Verlängerung des Ende Januar 2008 auslaufenden Fünf-Jahres-Vertrags von Roels abgelehnt und überraschend den Stahl-Manager Jürgen Großmann zum neuen RWE-Chef bestellt.

RWE-Aufsichtsratschef Fischer wies auf die bei RWE bestehende Altersgrenze von 60 Jahren hin, die eine weitere langfristige Verpflichtung des 58-jährigen Managers unmöglich gemacht hätte. Mit dem Stahl-Manager Großmann habe man einen „erfolgreichen deutschen Unternehmen“ gewinnen können, warb er um Vertrauen für den branchenfremden Nachfolger. Bis zu dem geplanten Stabwechsel Ende Januar kommenden Jahres werde Roels jedoch im Amt bleiben, wies er Gerüchte über eine vorzeitige Ablösung zurück. „Bei RWE werden Verträge eingelöst“, sagte Fischer.

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