Harry Roels tut das, was Aktionäre wünschen
RWE-Chef: „Ich bin kein Ruhrbaron“

20 000 000 000 Euro. In Worten: zwanzig Milliarden Euro. Um diesen stattlichen Betrag hat Harry Roels die 260 000 RWE-Aktionäre reicher gemacht, seit er im März 2003 an die Spitze des Essener Energiekonzerns rückte. Und die Erfolgsgeschichte des früher eher langweiligen Wertpapiers dürfte weitergehen.

HB DÜSSELDORF. Sogar den Rivalen Eon hat RWE mit einer Kursverdreifachung weit hinter sich gelassen. Der jüngst verkündete Ausstieg aus dem Wassergeschäft in Großbritannien und den USA sorgt für neue Phantasie. Mit voraussichtlichen Einnahmen von 15 Milliarden Euro verschaffe RWE sich neuen finanziellen Spielraum, um künftig wieder aktiv in die Konsolidierung der europäischen Strom- und Gasmärkte eingreifen zu können, begründet Roels seinen Strategiewechsel: „Global Player gibt es in der Versorgungswirtschaft nicht. Dafür ist das Geschäft zu kundennah.“

Den Aktionären macht er den Abschied vom Multi-Utility-Konzept, der Vielfalt bei der Versorgung mit Strom, Gas- und Wasser aus einer Hand, mit einer stark erhöhten Ausschüttung schmackhaft: Mit einer Dividendenrendite von sechs Prozent katapultiert sich RWE an die Spitze der großen Energiekonzerne.

Wer Harry Roels (gesprochen Ruls, mit langem „u“ wie Ruhrgebiet) das erste Mal trifft, kann kaum glauben, was sein Umfeld über ihn berichtet.

Auf Sitzungen des von ihm installierten Group Business Commitee, in der der Holdingvorstand und die sieben Chefs der operativen Gesellschaften sitzen, erleben die Kollegen einen knallharten Roels, bis ins Detail vorbereitet, und ohne Angst vor Konfrontation deckt er gnadenlos Schwächen auf. Strenge Renditevorgaben und Kostenpläne sind sein Führungsinstrument.

Dabei wirkt er doch so ruhig und freundlich, von gentleman-artiger Gelassenheit und eindrucksvollem Auftreten: Mit 1,94 Meter gehört er zu den längsten Top-Managern der deutschen Wirtschaft, schlank ist er und trägt mit Vorliebe schwarze oder dunkelblaue Anzüge.

Der 57-Jährige ist geprägt durch seine Zeit beim Ölmulti Shell. 31 Jahre hatte er für den Weltkonzern gearbeitet, bevor er als erster Ausländer und ohne Erfahrungen in der Strombranche die Führung des tief im Ruhrgebiet verwurzelten RWE-Konzerns übernahm.

Obwohl Roels, von außen kommend, auf keine Hausmacht in Essen bauen konnte, ging er auch zu den Chefs der im Westen der Republik stark vertretenen Konzerne aus der Old Economy auf Distanz: „Ich bin kein Ruhrbaron und will es auch nicht sein.“ Aufsichtsratsmandate außerhalb des RWE-Reichs hat Roels – anders als die meisten Ruhrmanager – bis heute keine. Zu Konzerten oder Theateraufführungen erscheint er selten.

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