Harte Konkurrenten
Die drei von der Werbestelle

Die Erben von Ernst Litfaß balgen sich seit Jahren um den Markt für Plakatwände, Klos und Bushäuschen. Neuester Kampfplatz ist Hamburg.

HAMBURG/BERLIN. Der Milliardär schwingt sich aufs Fahrrad. Jean-François Decaux führt den Kunden per Zweirad über seine 2 000 Quadratmeter große Ausstellung direkt an der Elbe. Er hat nur 15 Minuten. Hier Wartehallen, da beleuchtete Plakatwände, dort das, was früher mal Litfaßsäule hieß. Und die Mietfahrräder für Hamburg, die lässt Decaux eigens von Porsche entwerfen. Seine Zeit ist um. Der Kunde geht zur Konkurrenz.

Die hat sich nur 30 Meter weiter aufgebaut. Auch Udo Müller hat nur 15 Minuten. "Maßstäbe setzen" wolle sein Unternehmen Ströer, sagt er. Der Kunde nickt. Sitzprobe in einer Wartehalle mit DSL-Anschluss. "Wenn Se sich ma rumdrehen, sehn Se unsere City-Light-Säulen" - Müller wirkt ein wenig schnodderig. Noch kurz die Toilette. Müllers Zeit ist um. Der Kunde zieht weiter.

30 Meter weiter klemmt es. "Ich bin jetzt zu nervös", sagt Hans Wall lachend. Endlich bekommt er die Papiertüte aus der "Dog Service Station" heraus. Daneben steht ein Mit-arbeiter im blauen Wall-AG-Overall auf einem High-Tech-Roller: Er würde dann die Hinterlassenschaften von Hamburgs Hunden einsammeln, wenn, ja wenn die Wall AG den Auftrag der Stadt Hamburg bekommt.

Der Kunde, Hamburgs Senator Michael Freytag, nennt alle drei Angebote später "Weltklasse". Er hat die strengen Regeln bestimmt für den nächsten großen Showdown von De-caux, Müller und Wall. Strenge muss sein, denn in kaum einer Branche sind die Konkurrenten einander so gram wie in der Außenwerbung.

Fast jeder Bürger hat täglich mit ihr zu tun, und fast jedes große Unternehmen ist Kunde der Außenwerbung. Was klingt wie ein trockenes Geschäft, ist einer der am härtesten umkämpften Werbemärkte. Weil jede Stadt ihre Außenwerbe-Verträge einzeln - und meist auf Jahrzehnte - ausschreibt, stehen sich die Konkurrenten wie in Hamburg ständig aufs Neue direkt gegenüber.

Große Siege und bittere Niederlagen haben die drei geprägt: Reden sie übereinander, sind Kraftausdrücke die Regel. Man gönnt einander nichts.

Da ist Udo Müller, der zuletzt alle Wettbewerber gekauft hat, die zu haben waren. Da ist Hans Wall, dessen AG wegen ihres wortmächtigen Gründers etwas größer scheint als sie ist. Und da ist Jean-François De-caux, der Global Player, der dennoch so sehr an Deutschland hängt.

Ihre Präsentation gestern in Hamburg war der Auftakt zum nächsten Showdown der drei von der Werbe-stelle - drei Kennenlernversuche.

Der Eroberer: Sanft lässt Udo Müller den Mercedes durch Köln gleiten. Stadtrundfahrt. Rechts oben an dem Haus: Eine Plakatwand von Ströer. Links eine Bushaltestelle von Konkurrent JCDecaux. Wieder links eine Uhrensäule von Ströer - 4 000 davon hat Müller in Deutschland stehen.

Die Ampel zeigt Rot, was Müller freut. Gegenüber an der Kreuzung steht ein "Megalight": ein verglastes Rechteck auf einer Säule, in dem Plakate alle paar Sekunden wechseln: erst Vox mit Captain Kirk, dann HLX, dann H&M. Wer hier bei Rot steht, kann kaum woanders hingucken - ein 1a-Standort für den Ströer-Chef.

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